Kaffee aus Monschau, der Hoffnung bringt
Max Jülich (l.) und Leon Henseler am 10-Kilo-Röster im Werk 5 der CBW in Monschau-Imgenbroich.Foto: Christian Heidrich
Es begann mit einem Blick in die Ausgabenübersicht der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW). Weil Dirk Leifeld, Leiter des Werks 5 in Monschau-Imgenbroich, auf der Suche war nach neuen Betätigungsmöglichkeiten für die bei der CBW beschäftigten Menschen mit Behinderung. Über eine Position in der Übersicht stolperte er: 20000 Euro gibt die CBW für den Kaffee aus, der pro Jahr in den acht Werken der Werkstatt für Menschen mit Behinderung getrunken wird. "Da habe ich zu unserem Geschäftsführer Michael Doersch gesagt: Für den Preis können wir das auch selbst machen", erzählt Leifeld. Und in seinem Kopf entstand das Bild einer Kaffeerösterei, in der Beschäftigte arbeiten. Heute ist es kein Bild mehr im Kopf von Dirk Leifeld. Heute steht in einem abgeteilten Bereich der Kantine im Werk 5 der CBW eine Kaffeerösterei. Und geröstet wird biologisch angebauter Rohkaffee aus Caritas-Projekten aus dem Bistum Pasto in Kolumbien, dem Partnerland des Bistums Aachen. Win-win für viele.
Immer der Nase nach
Wer die Kaffeerösterei in der Kantine von Werk 5 sucht, muss nur der Nase nachgehen. Gerade hat Leon Henseler (24) den Schieber an dem 10-Kilo-Röster geöffnet. Die duftenden, frisch gerösteten Kaffeebohnen rauschen aus der Trommel in den Auffangkorb, um dort abzukühlen. Ein sich immerzu drehender Stab rührt den Kaffee unablässig um. "Jetzt beginnt beim Kaffee die Steuerpflicht", sagt Tobias Fink. Er ist Gruppenleiter und mittlerweile für die Kaffeerösterei zuständig, in der neben Leon auch der 25-jährige Max Jülich arbeitet. Während Max sich als Kaffeetrinker outet, ist Leon zurückhaltender: "Ab und zu - und wenn, dann nur Caffè Latte", sagt er. Weil nach dem Rösten vor dem Rösten ist, starten die beiden Beschäftigten die Vorbereitungen für den nächsten Röstvorgang.
Fairer Kaffee, starke Jobs: CBW röstet für Kolumbien und CaritasFoto: Christian Heidrich
Angefangen hatte alles bei der CBW zu Beginn der 2020er-Jahre mit einem zwei Kilo fassenden Laborröster. Den hatte Dirk Leifeld angeschafft, um Erfahrungen zu sammeln. Leifeld, studierter Maschinenbauingenieur, hatte vom Kaffeerösten keine Ahnung, aber Kontakt zu einem Kaffee-Sommelier. Der wies Leifeld und weitere Mitarbeitende der CBW in die Kunst des Kaffeeröstens ein und entwickelte für verschiedene Kaffeesorten passende Röstkurven. Diese geben vor, welche Temperatur über welchen Zeitraum in der Rösttrommel herrschen muss, damit das gewünschte Ergebnis herauskommt. Die Kurve zeigt ein Bildschirm neben dem 10-Kilo-Röster an. Heute bedient Leon den
Kaffeeröster. Über einen Hebel regelt er die Gaszufuhr, um die Temperatur und ihre Dauer so zu steuern, dass sich die Kurve des aktuellen Röstvorgangs möglichst nah an die vorgegebene Röstkurve auf dem Bildschirm schmiegt.
Kolumbien ist Partnerland des Bistums
Der Kaffee, den die CBW röstet, kommt aus Kolumbien, dem Partnerland des Bistums Aachen. Kontakte wurden auf einer Reise von Einrichtungsvertretungen der verbandlichen Caritas im September 2025 in das Bistum Pasto geknüpft. Die Partner-Organisation des Diözesan-Caritasverbandes Aachen begleitet dort Genossenschaften von Kaffeebauern, um für sie möglichst faire Preise unter Weltmarktbedingungen herauszuholen. Unter Vermittlung von Diözesan-Caritasdirektor Stephan Jentgens wurden sich Michael Doersch und die CBW mit James Morales Caicedo, dem Direktor der Sozial-Pastoral im Bistum Pasto, einig. Ein 20 Tonnen Rohkaffee fassender Überseecontainer wird seitdem regelmäßig direkt aus Pasto zur CBW geliefert. Dort rösten die Beschäftigten die Bohnen, verpacken den Kaffee und vertreiben ihn an Caritas-Einrichtungen im Bistum Aachen, die Abnahmemengen fest zugesagt haben.
55 Prozent für die Bauern
Der fair gehandelte Bio-Kaffee aus der Rösterei der CBW bewirkt auch in Kolumbien Gutes: "Bei den Kaffeebauern bleiben von dem Preis, zu dem sie unter Weltmarktbedingungen ihre Ernte verkaufen, lediglich fünf Prozent. Weil die CBW den Kaffee direkt abnimmt und so Zwischenhändler wegfallen, verbleiben nun 55 Prozent des Verkaufspreises bei den Kaffeebauern in Kolumbien. Das sichert ihnen und 200 Familien Einkommen und das Überleben", sagt Jentgens.
Partner in Sachen fair gehandelter Kaffee aus Kolumbien: Dirk Leifeld (l.) und Michael Doersch (3. v. l.) von der CBW, ein Mitarbeiter einer Genossenschaft aus Kolumbien, der Aachener Diözesan-Caritasdirektor Stephan Jentgens (r.) und sein Kollege aus dem Bistum Pasto in Kolumbien, James Morales Caicedo (2. v. r.).Foto: Thomas Hohenschue
Die Kaffeebohne und die Art der Röstung bestimmen das Aroma
In der Kaffeerösterei saugt derweil Max mit einer Art Staubsauger aus einem Kaffeesack Rohkaffee in einen runden Blechbehälter. Bei diesem Vorgang werden Verunreinigungen wie Staub oder kleine Blätter herausgefiltert. Dann stellt Max einen leeren Blecheimer auf eine Waage. Exakt zehn Kilo Rohkaffee füllt er nun über ein Gebläse aus dem Blechbehälter in den Eimer. Diesen leert dann Leon in einen Einfülltrichter am Röster. Anschließend geht er um den Röster herum, betätigt einen Hebel, sodass der Rohkaffee in die Trommel des Kaffeerösters rutscht, die er zuvor auf die erforderliche Temperatur gebracht hat und die sich unablässig dreht. Durch ein kleines Fenster an der Vorderseite des Rösters können die beiden Beschäftigten in die Trommel schauen. Zwischen 15 und 19 Minuten dauert ein Röstvorgang. Die Dauer ist abhängig von der Kaffeebohne und der Art der Röstung, nämlich ob es ein normaler Kaffee werden soll oder ein Espresso. Während des Röstvorgangs entnimmt Leon immer wieder einmal mit einer in der Trommel eingebauten kleinen Schaufel eine Probe, um zu sehen, wie der Kaffee aussieht. Den Bildschirm mit der Röstkurve behält er immer im Blick, die Temperatur in der Trommel steuert er durch exaktes Einstellen der Gaszufuhr. "Jetzt dauert es nicht mehr lange", kündigt er an, greift Minuten später zum Gashahn und schließt ihn. Noch wenige Minuten dreht sich der Kaffee in der Restwärme der Trommel.
Mittlerweile hat Max einen zehn Kilo fassenden Blecheimer unter den Auslass des Auffangkorbs des Kaffeerösters gestellt. Bevor in den Korb die aktuelle Kaffee-Produktion rauschen wird, entleert Max den Auffangkorb in den Eimer und stellt ihn auf eine Waage. "Leon, genau 8,060 Gramm", ruft Max seinem Kollegen zu. Der notiert den Wert in einer Liste, in die er zuvor die Ausgangsmenge von zehn Kilo eingetragen hatte. Der Blecheimer mit dem frisch gerösteten Kaffee wird verschlossen und in einem speziell gesicherten Raum gelagert, in dem es intensiv nach Kaffee duftet. Das verlangen die Zoll- und Finanzbehörden.
In dem Auffangkorb hat sich der Kaffee abgekühlt. Max Jülich öffnet ihn, und der fertige Kaffee fällt in einen Blecheimer.Foto: Christian Heidrich
Kleiner Verkaufsladen in Monschau
Etwa 300 Meter vom Werk 5 in Imgenbroich steht das HIMO, das Handwerker-Innovationszentrum Monschau. Es ist ein Start-up-Gebäude, in dem die CBW zwei Einheiten gemietet hat. In einem Teil ist ein kleiner Verkaufsladen, in dem die CBW von ihr hergestellte Produkte vertreibt, auch den Kaffee aus Werk 5. Der wird hier auch abgefüllt. Heute hat Dirk Carraro Dienst. Er nimmt einen der zehn Kilo Kaffee fassenden Eimer und schüttet aus diesem die gerösteten Kaffeebohnen in die Verpackungsmaschine. Unterschiedliche Mengen fassende Kaffeebeutel kann er hier befüllen. Die benötigte Menge stellt er auf einem Display ein, platziert einen Beutel unter dem Auslass, drückt einen Knopf oben am Gerät. Es rasselt kurz laut, der Beutel ist gefüllt. Einen weiteren befüllt er ebenso. Dann drückt er die selbstschließenden Verschlüsse der Beutel zu, legt diese in eine Apparatur auf dem Tresen,
welche die Beutel verschweißt. Jetzt noch die Etiketten drauf - und ab mit dem Beutel ins Kaffee-Regal.
Drüben im Werk 5 rösten Leon und Max die nächste Ladung Kaffee. Eine Aufgabe, die ihnen Spaß macht. Jeder kann hier seine Fähigkeiten einbringen. Gemeinsam ist beiden: Sie müssen zuverlässig arbeiten, soll der Kaffee schmecken. Leon hat seinen Eltern auch schon einmal eine Kostprobe des CBW-Kaffees mitgebracht. "Die haben sich gefreut und gesagt: Jetzt können wir unseren Kaffee ja bei euch kaufen." Und damit tragen sie dazu bei, dass die Beschäftigten der CBW sinnvolle, abwechslungsreiche Aufgaben haben und Kaffeebauern in Kolumbien fair bezahlt werden.