Ein Anhänger. Ein Kaffee. Ein offenes Ohr.
Wollen ansprechbar sein: Das ehrenamtliche Team der „ansprechBar“ bietet Kaffee und Gesprächsmöglichkeiten auf Arnsberger Friedhöfen an.Foto: Miriam Konietzny
So mancher, der an diesem Samstagnachmittag über den Arnsberger Waldfriedhof geht, bleibt kurz stehen. Einige gehen dann weiter, andere aber kommen näher, setzen sich, trinken eine Tasse Kaffee oder Tee - und kommen mit den Ehrenamtlichen der mobilen Bar ins Gespräch. "Viele brauchen einen Moment, bis sie sich setzen", sagt Ramona Malycha-Witt, die gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlichen vor Ort ist. "Aber oft reicht ein kurzer Blickkontakt. Dann ergibt sich der Rest von selbst."
Der Name ist Programm: Die "ansprechBar" ist ein mobiles Gesprächsangebot auf Arnsberger Friedhöfen. Ein Imbissanhänger mit kleiner Cafébar, betrieben von Ehrenamtlichen aus der Propsteipfarrei St. Laurentius und den Arnsberger Caritas-Konferenzen. Er steht dort, wo Menschen ohnehin unterwegs sind: an Orten der Erinnerung, des Abschieds und des Innehaltens. Ohne Programm, ohne feste Gesprächsanlässe. Wer reden möchte, findet ein offenes Ohr. Wer schweigen will, darf das genauso.
Bei der Koordination hilft unter anderem Martina Gerdes von den Caritas-Konferenzen in Arnsberg. Sie begleitet die Einsätze, vernetzt Ehrenamtliche und sorgt dafür, dass aus der Idee ein verlässliches Angebot wird. "Uns war von Anfang an wichtig, nichts Übergestülptes zu schaffen", sagt sie. "Die ansprechBar soll sich in die Situation der Menschen einfügen, sowohl für unsere Ehrenamtlichen als auch für die Menschen, die unser Angebot nutzen - nicht umgekehrt."
Ort der Begegnung für Trauernde
Die Idee entstand aus der Trauerpastoral. Grace Konal, Gemeindereferentin und Krankenhausseelsorgerin in Arnsberg, machte als Ansprechpartnerin für die Kranken- und Trauerpastoral, für Beerdigungsdienste sowie für die seelsorgliche Begleitung von Menschen in Zeiten von Tod und Trauer die Erfahrung, dass viele Menschen zwar Gesprächsbedarf haben, den Weg zu klassischen Angeboten aber nicht finden oder nicht gehen möchten. Sie wollte deshalb einen Ort der Begegnung, insbesondere für Trauernde, schaffen - um die Schwelle zu senken. Das gelingt mit der ansprechBar. Sie ist einfach da, sichtbar, erreichbar, ohne Verpflichtung. "Manchmal ist das Wichtigste, dass jemand merkt: Ich darf hier so sein, wie ich gerade bin", beschreibt Kirsten Braukmann, die sich ehrenamtlich engagiert, den Ansatz.
Regelmäßig präsent
Oft beginnen die Begegnungen beiläufig. Mit der Frage nach Milch oder Zucker. Mit einem kurzen Kommentar zum Wetter. Und manchmal öffnet sich daraus ein Gespräch, das tiefer geht. Über einen Verlust, der schon Jahre zurückliegt. Über wertvolle Erinnerungen an eine geliebte Person. Über Einsamkeit oder das Gefühl, mit Gedanken allein zu sein. Weil die ansprechBar regelmäßig an den Friedhöfen präsent ist, entsteht von Monat zu Monat Vertrautheit. Manche Besucherinnen und Besucher kommen wieder, setzen sich erneut dazu, knüpfen an ein früheres Gespräch an, oder Ehrenamtliche werden wiedererkannt und angesprochen.
Eine ältere Dame, die sich an diesem Nachmittag für einen kurzen Kaffee setzt, erzählt, dass sie eine der Ehrenamtlichen bereits aus einem ganz anderen Zusammenhang von früher kennt. "Das Wiedersehen hier war unerwartet", sagt sie. "Aber es hat sofort etwas Vertrautes gehabt. Man knüpft an - auch wenn der Ort ein anderer ist. Ich finde es toll, dass sie das macht."
Gespräche dürfen aber auch ganz neu wachsen - langsam, von Monat zu Monat, von Begegnung zu Begegnung. Die Ehrenamtlichen hören zu, beurteilen nicht, geben keine schnellen Antworten. Wenn es passt oder notwendig erscheint, verweisen sie auf weiterführende Unterstützungsangebote der hauptamtlichen Caritas-Beratungsdienste. Häufig aber reicht das Gespräch selbst - oder ein aufrichtig gemeintes "Wie geht es Ihnen?" oder "Wie geht es dir?".
"Wir erleben immer wieder, dass Menschen genau dieses aufrichtige Interesse schätzen", sagt Dorothee Herbst. "Dass sie wissen: Ich kann wiederkommen. Und ich werde gesehen." "Manchmal sagen Menschen am Ende: Gut, dass ich mich hingesetzt habe", erzählen auch Regine und Josef Mündelein, die sich als Ehepaar gemeinsam im Projekt engagieren. "Dann wissen wir, dass es genau richtig war, einfach da zu sein."
Kaffee, Tee und und ein Gespräch bieten die Ehrenamtlichen der ansprechBar.Foto: Miriam Konietzny
Entscheidend ist die Haltung
Getragen wird das Projekt von Menschen, die bereit sind, Zeit zu schenken. Sie kommen in kleinen Teams, nehmen die Cafébar in Betrieb, bleiben für mehrere Stunden ansprechbar und bauen am Ende alles wieder ab. Vorbereitet werden sie durch Schulungen in Gesprächsführung und durch den regelmäßigen Austausch im Team. Entscheidend ist dabei weniger eine Methode als eine Haltung: aufmerksam sein, nichts erzwingen, aushalten können, was erzählt wird - und Vertraulichkeit einhalten.
Dass die ansprechBar auf Friedhöfen steht, ist bewusst gewählt. Menschen kommen regelmäßig hierher, oft allein, oft mit Gedanken, die im Alltag keinen festen Platz haben. Die Gespräche entstehen aus dem Moment heraus. Leise, respektvoll, auf Augenhöhe. "Hier gibt es keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt", erklärt Dorothee Herbst. "Manche setzen sich sofort. Andere erst nach mehreren Besuchen. Beides ist völlig in Ordnung."
Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, wie wertvoll dieses Angebot ist. Die ansprechBar stehe für eine Kirche und eine Caritas, die sich hinausbewegt, erklären die Ehrenamtlichen: weg von festen Räumen, hin zu den Lebensorten der Menschen. Nicht erklärend, nicht belehrend, sondern begleitend.