Neue Wege gehen
Joachim Derichs ist Diplom-Theologe, Diplom-Caritaswissenschaftler und Seelsorger im Franz Sales Haus in Essen.Foto: Andreas Buck
Viele von Ihnen fahren in den nächsten Wochen in den Urlaub. Manche Urlauber reisen jedes Jahr mehr oder weniger in dieselbe Urlaubsregion, ins selbe Hotel oder zum selben Campingplatz. Ich persönlich reise gerne in unbekannte Gefilde, lerne gerne neue Städte und Menschen kennen und liebe es, durch die Natur zu wandern. Das Neue, Unbekannte ist eine willkommene Abwechslung, regt an und inspiriert. Im beruflichen und privaten Bereich heißt es auch immer wieder, neue Wege zu gehen. Das kann die Belebung der Beziehung zum Partner, zur Partnerin sein durch den Beginn eines neuen gemeinsamen Hobbys oder das bewusste Einplanen von zeitlichen Ressourcen, um diese mit den Kindern zu verbringen. Im beruflichen Leben werden uns neue Wege oft von Vorgesetzten vorgegeben, oder wir merken selbst, dass die alte Routine nicht mehr passt und wir an unserer Arbeitsweise etwas verändern sollten. Wie wohltuend, wenn dann die betrieblichen Rahmenbedingungen dies ermöglichen und durch die Veränderungen frischer Wind in den Arbeitsalltag kommt.
Ob privat oder beruflich, es lohnt sich, neue Wege zu beschreiten und damit das Leben zu bereichern. Biblisch gesehen, sind wir da in guter Gesellschaft. Abraham wird von Gott aus seinem Vaterhaus herausgerufen, um in ein neues Land zu ziehen und ein großes Volk zu werden. Moses führt
die Israeliten aus der Knechtschaft in das Gelobte Land, wird es aber selbst nicht betreten. Auch wir machen die Erfahrung, dass wir neue Wege gehen und andere für diesen Weg begeistern müssen. Ob wir dann die Früchte dessen, was wir angestoßen haben, selbst ernten werden, muss sich erst zeigen. Die Bibel ist voll von Aufbruchsgeschichten, die uns anregen können, das eigene Leben zu reflektieren und inspiriert neue Wege zu beschreiten.
Neue Wege sind natürlich auch ein Wagnis, und es ist nicht ausgeschlossen, dass man auch mal in einer Sackgasse endet. Dann ist man zumindest reicher an Erfahrung. Manche Wege geht man besser nicht allein, sondern man sucht sich Weggefährtinnen und Weggefährten. Auf dem Weg nach Emmaus begegnen die Jünger dem Auferstandenen, und im Gespräch mit ihm sehen sie ihren Weg klarer und in einem neuen Licht.