Wenn Lesen Brücken baut
Lesepatin Ulla Biefeld macht es Spaß, Kinder beim Lesen zu unterstützen.Foto: Markus Jonas
"Hallo, Max, wir kennen uns noch nicht", sagt Biefeld lächelnd und beginnt ein Gespräch. Max erzählt, dass er Fußball spielt, am liebsten als Stürmer, und schon das Freischwimmerabzeichen hat. Sein Lieblingsessen? "Pizza." Das Eis ist gebrochen.
Dann geht es los mit den Leseübungen. Biefeld hat ein Buch aus dem Lehrerzimmer mitgebracht. Max soll Sätze verbessern. "Es ist ein heißer Sommertag. Doch dann schieben sich die ersten Wolken vor die Sonne aus", liest er. "Das klingt nicht gut, oder?", fragt Biefeld. Max schüttelt den Kopf. "Das ‚aus‘ ist zu viel." - "Toll, sofort richtig gemacht!", lobt sie. Dann folgen falsche Wörter, die ähnlich klingen wie die richtigen. "Meine Socke hat einen Koch. - Kann das sein?" Max überlegt eine Weile, kommt aber nicht auf das richtige Wort. "Ein Loch?", hilft Biefeld nach. "Nee, meine Socken haben keine Löcher. Nur die Unterhosen von meinem Vater!", sagt Max trocken. Biefeld lacht laut auf. Solche Momente liebt sie. "Kinder sind einfach ehrlich. Das macht Spaß."
Ulla Biefeld ist eine von 18 Lesepatinnen und Lesepaten, die derzeit an den Grundschulen in Sundern unterwegs sind. Einmal pro Woche nehmen sie sich Zeit für Kinder, die beim Lesen Unterstützung brauchen. Hinter dem Projekt steht das Bündnis Integration Sundern, getragen von Stadt, Jugendamt und Caritasverband Arnsberg-Sundern. Caritas-Mitarbeiterin Alexandra Nitschke, die das Projekt koordiniert, erklärt: "Wir wollen Kinder sprachlich fördern und Begegnung ermöglichen. Viele bekommen zu Hause gar nicht vorgelesen. Wenn sie erleben, dass Lesen Freude macht, ist das der erste Schritt."
Alexandra Nitschke (l.) koordiniert das Lesepaten-Projekt. Lesepatin Ulla Biefeld (r.) kommt dazu einmal wöchentlich in die Grundschule Allendorf.Foto: Markus Jonas
Es geht um Zeit und Aufmerksamkeit für die Kinder
Ulla Biefeld fühlte sich sofort angesprochen, als sie den Aufruf in der Zeitung las. "Ich lese selbst gern und wollte etwas Sinnvolles tun", erzählt sie. Zunächst dachte sie, es gehe ums Vorlesen - "so wie eine Vorlese-Oma". Inzwischen weiß sie: Es ist weit mehr als das. "Es geht darum, Kinder zu stärken, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken."
Biefeld, die auch im Stadtrat von Sundern sitzt, engagiert sich einmal die Woche, kürzlich nur unterbrochen vom Kommunalwahlkampf. "Ich begleite ein Kind ein paar Wochen, dann kommen andere dran. Die meisten freuen sich riesig, wenn sie dran sind. Für sie ist das fast ein kleines Privileg." Die Lesepatin erlebt dabei, wie viel kleine Begegnungen bewirken können. "Wenn ein Kind merkt: Da hört mir jemand zu, da nimmt sich jemand Zeit für mich - das ist unbezahlbar."
Auch Koordinatorin Alexandra Nitschke sieht darin mehr als reine Leseförderung: "Das Projekt zeigt, wie einfach Generationen miteinander in Kontakt kommen können. Lesepaten sind Brückenbauer zwischen Alt und Jung."