Wenn aus Betreuung Familie wird
Einmal in der Woche verbringen Ricarda und Jasper einen Nachmittag zusammen.Foto: Julia Lüthgen | CWW
Drei, vier, fünf - platsch. Jasper sitzt am Ufer und wirft Steine ins Wasser. Zwischendurch schaut er zu Ricarda hinüber. "Riciii, guck mal!", ruft er, und sie lacht. "Ja Jasper, ich sehe dich."
Von Geburt an sind Jaspers beiden Gehirnhälften getrennt. Bei einer sogenannten Corpus-callosum-Agenesie kann es zu einer geistigen Behinderung kommen, was auch bei Jasper der Fall ist. Kennengelernt haben sich Ricarda und Jasper über den Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Caritas Wohn- und Werkstätten Paderborn (CWW). Der Dienst vermittelt Begleitpersonen, die Familien mit einem Kind mit Behinderung entlasten.
"Ich war damals Ende zwanzig und wollte etwas Sinnvolles nebenbei machen", erzählt Ricarda. Sie befand sich gerade in der Ausbildung zur Kinderpflegerin - hatte also Erfahrung mit Kindern, aber noch nicht mit Kindern mit Behinderung. Eine Mitarbeiterin des FuD begleitete sie zum ersten Kennenlernen. "Wir haben einfach nur Kaffee getrunken und gequatscht", erinnert Ricarda sich. "Ich wusste sofort: Das passt." "Als wir den ersten Kaffee getrunken haben, wusste ich: Die ist es", sagt auch Jaspers Mutter, Nicole Krüßmann.
Große Entlastung für die Eltern
Am Anfang machten sie kleine Spaziergänge in der Nachbarschaft. Doch Jasper war sehr auf seine Mutter fixiert. "Dann habe ich gefragt, ob ich ihn einfach mal mitnehmen darf", erzählt Ricarda. Seitdem verbringt Jasper die Nachmittage oft bei ihr zu Hause. "Er fühlt sich dort richtig wohl. Meine Nichten und Neffen sind oft da, dann spielt er mit ihnen. Es ist ganz selbstverständlich."
Was die beiden unternehmen? "Alles, was man mit anderen Kindern auch macht", sagt Ricarda. Sie gehen spazieren, essen Eis oder werfen Steine ins Wasser. "Jasper liebt es, draußen zu sein. Am meisten Spaß macht mir einfach der Kontakt mit ihm. Es ist für mich eine totale Bereicherung."
Für Jaspers Eltern ist die regelmäßige Betreuung durch Ricarda eine große Entlastung. "Wir haben bei ihr einfach das beste Gefühl, dass er bei ihr happy ist", sagt Nicole Krüßmann. "Dann haben wir guten Gewissens Zeit für uns - wir gehen essen, in die Stadt oder einfach spazieren. Ricarda macht viele tolle Sachen mit ihm, die wir im Alltag nicht schaffen."
Dass Ricarda für ihre Betreuung eine Aufwandsentschädigung erhält, beruhigt das Gewissen von Jaspers Eltern. "Wenn Freunde auf Jasper aufpassen, hat man doch mal ein schlechtes Gewissen, weil man weiß, wie anstrengend das sein kann. Bei Ricarda wissen wir, dass sie das gerne macht - und dass Jasper dort einfach happy ist."
Das Konzept des FuD hat sich für beide Seiten bewährt. Ricarda bringt ihre Zeit, Geduld und Freude ein - und die Familie bekommt Entlastung. "Es ist eine Win-win-Situation", sagt sie. "Ich würde das jedem empfehlen, der überlegt, sich zu engagieren."