Menschen kennen, bevor die Krise kommt
Wer zum ersten Mal vom Projekt "CariMAL in Krisen" hört, könnte auf die Idee kommen, es gehe um Technik, Apps und Datenbanken. Tatsächlich aber geht es um etwas anderes: Es geht um Menschen. Das wird deutlich, wenn Jan Thiele, Leiter Einsatzdienste beim Malteser Hilfsdienst, Diözese Aachen, über sein Credo zum Thema Krisen aus vielen Einsätzen spricht: "In Krisen muss man Köpfe kennen", sagt der 35-Jährige. Er ist seitens der Malteser Projektkoordinator bei "CariMAL". Resilienz sei viel mehr, als einfach nur einen Namen in einer Datenbank zu haben. Man sollte wissen, mit wem man zusammenarbeitet.
In Krisen zählt jede Minute
Thieles Partner in der Projektkoordination von "CariMAL" ist Wilfried Reiners, Fachreferent für Fluthilfe in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für das Bistum Aachen. Dass der 70-Jährige aktiver Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wegberg war und weiß, wie die "Blaulichtfraktion" tickt, zu der sich auch die Malteser zählen, erleichtert die Kooperation ungemein. Hinzu kommt: Reiners kennt die verbandliche Caritas.
In Krisen zählt jede Minute. Es hilft, wenn Ansprechpersonen bereits bekannt sind und Kommunikationswege funktionieren. Das gelingt aber nur, wenn vor der Krise vorgesorgt wird, wenn es Strukturen und technische Voraussetzungen gibt, die das Reagieren in einer extremen Situation sehr erleichtern. Solche Dinge halten die Malteser vor. In dem gemeinsamen Projekt geht es darum, vorhandene Informationen leichter zugänglich zu machen, informiert zu sein über die Potenziale der Partner, Kontakte aufzubauen, Wissen zu teilen.
"Wer sich kennt, kann in der Krise schneller helfen"
Und falls die Krise eintritt? Was kann dann die Caritas für die Bevölkerung tun? "Wir als Malteser sitzen in Krisenstäben. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, in solche Strukturen die Ressourcen der Caritas einzubringen", sagt Jan Thiele. Und er zählt auf: Die Caritas hat Beratungsstellen mit Psychologinnen und Psychologen, es gibt Pflegeeinrichtungen, die Pflegematerial oder Pflegebetten vorhalten. Eine zweite Ebene hat das Projekt auch noch: Wie kann der Dienstbetrieb weiterlaufen, wenn die Caritas oder die Malteser selbst von einem Ereignis betroffen sind, zum Beispiel einem Stromausfall? "Dann muss man nicht ins Blaue versuchen, irgendwelche Menschen bei den Maltesern zu erreichen, wenn wir als Caritas betroffen sind, sondern dann muss klar sein: Wir haben dort einen Ansprechpartner, der gezielt unterstützen kann", erläutert Wilfried Reiners.
Aber auch andere Dinge haben die beiden Projektreferenten aufgeschrieben, von denen sie sich vorstellen können, dass sie Caritas wie Malteser besser auf Krisen vorbereiten können. Das können kurze Informationsangebote für Mitarbeitende sein zu Themen wie Cyberangriffe, Hitzewellen oder Krisenvorsorge allgemein. Die Infos sollen verständlich und alltagsnah sein.
Im Sommer haben beide das Projekt bei der Konferenz der regionalen Caritasverbände im Bistum Aachen vorgestellt. "Es ist auf große Zustimmung bei den Kolleginnen und Kollegen gestoßen. Es ging sogar so weit, dass der Wunsch geäußert worden ist, einen Studientag zu dieser Thematik zu machen", erzählt Reiners. Solche Reaktionen zeigen den beiden, dass sie richtig liegen mit ihrer Überzeugung: Krisen lassen sich nicht verhindern. Aber man kann sich darauf vorbereiten. Und dazu gehört für Jan Thiele wesentlich, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, bevor eine Krise eintritt. Denn: "Wer sich kennt, kann im Ernstfall schneller helfen", sagt Thiele.