Spiritualität schenkt Resilienz
Franz Meurer, Pfarrer in der Kölner Kirchengemeinde St. Theodor und St. Elisabeth, Buchautor und erster Kölner 'alternativer Ehrenbürger'Foto: Smilla Dankert
Papst Leo XIV. hat kürzlich geschrieben: "Das Entscheidende am Glauben ist nicht, ob man an Gott glaubt oder nicht, sondern, dass man nach ihm auf der Suche ist." Christen sind die Anhänger des Weges, heißt es ja schon in der Bibel. Dass heutzutage Pilgern boomt, ist die konsequente Folge. Für Muslime ist die Wallfahrt nach Mekka ein Muss, wenn es irgendwie zu finanzieren ist.
Wer unterwegs ist, will nicht nur allein sein, sondern sucht die Begegnung. Die Erfahrung des Fremden macht resilient, schafft Resonanz.
Wolfgang Schmidbauer hat vor Jahren den Bestseller "Hilflose Helfer" über das Helfersyndrom geschrieben. Letztes Jahr hat der Vierundachtzigjährige gesagt: "Man muss sich im Leben entscheiden, ob man Recht haben will oder in Beziehung leben." Diese spirituelle Haltung, sich für die anderen zu öffnen, wird zur Quelle der Hoffnung auf ein gelingendes Leben und damit zur Basis von Resilienz.
Die große Mystikerin Teresa von Avila formuliert es vor 500 Jahren so: "Ob wir Gott lieben, wissen wir nie in unserem Leben ganz genau. Ob wir unseren Nächsten lieben, merkt man jeden Tag." Mein Vorschlag: Gehen wir doch bei unserer Suche nach Gott von den Menschen aus, denen wir begegnen. Für uns alle gilt: Gott hat in dieser Welt nur unsere Nase, unsere Hände, unsere Füße, unser Herz, unseren Verstand, um reinzuriechen, anzupacken, hinzulaufen, mitzufühlen, mitzudenken. Gott hat nur uns, das ist seine Chance oder sein Problem.
Zurzeit können wir die großen Probleme der Welt von unten her nicht lösen: Krieg, Klimawandel ... Das kann mutlos machen. Oder wir kümmern uns um das Kleine, wenden die Not vor Ort, halten zusammen.
Leben einfach mehr für- statt gegeneinander; mehr mit- statt ohne einander; mehr bei- statt nebeneinander. Das macht resilient, denn es entspringt einer Spiritualität der Gottes- und Nächstenliebe.