Not sehen und handeln – bevor die Sirene heult
Eigentlich ist es so, dass wir ordnungsrechtlich auf Sie zukommen, wenn wir Unterstützung brauchen", antwortet der Dozent des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im großen Hörsaal der Feuerwehr Essen auf die Frage der Caritas, welche Rolle sie in der Katastrophenhilfe spiele. Die Antwort ist freundlich gemeint und beschreibt die Rechtslage. Nur passt sie wenig zu dem, was in diesem Saal zu sehen ist. Kein Platz ist frei geblieben bei der Krisenstabsschulung der Stadt Essen, und längst sitzen dort nicht nur Mitarbeitende der Stadtverwaltung: Die Sparkasse ist vertreten, weil im Ernstfall die Bargeldversorgung sichergestellt werden muss. Auch die Wasserbetriebe, die Stadtwerke und die Caritas sind anwesend. Krisenvorsorge ist in Essen zur Gemeinschaftsaufgabe aller geworden.
Die aktuelle Reform des nordrhein-westfälischen Brand-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetzes (BHKG) benennt Krisenvorsorge als Gemeinschaftsaufgabe. Sie ist eine direkte Lehre aus der Flutkatastrophe von 2021. Die wichtigste Neuerung: Kommunen und Kreise müssen künftig systematisch Risiken analysieren und Vorsorge planen. Das verpflichtet alle zum Gespräch, die Verantwortung für kritische Infrastrukturen oder für vulnerable Menschen tragen. Dazu gehören Behörden und Versorger ebenso wie die Wohlfahrtsverbände. Wer im Krisenfall für andere da sein will, muss vorher seine Hausaufgaben machen, statt sich in der Vorsorge allein auf den Staat zu verlassen.
Der Ortscaritasverband ist vorbereitet
Dass ausgerechnet in Essen bei der Krisenstabsschulung kein Stuhl frei bleibt, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt hat Pläne zu Szenarien vom lang anhaltenden Stromausfall über Hochwasser und Hitzewelle bis zum Cyberangriff auf die Verwaltung gemeinsam mit Hilfsorganisationen, Versorgern und Betreibern kritischer Infrastruktur erarbeitet. Hinzu kommen ein eigenes Aus- und Fortbildungskonzept für den Krisenstab, ein Verfahren zur strukturierten Nachbereitung von Krisen sowie eine Risikokommunikation, die die Menschen früh und bestenfalls ohne Sprachbarriere erreicht. Und dort, wo auch Essen noch Lücken hat, etwa bei der Einbindung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, wird sichtbar, warum die Freie Wohlfahrtspflege mit an den Tisch gehört.
Der Ortscaritasverband Essen hat mit der Zielsetzung "Stark in der Krise" ein Konzept mit Krisenplänen für die eigenen Einrichtungen und Dienste erarbeitet. Er ist vorbereitet auf Szenarien wie Stromausfall, Hitze, Starkregen oder einen Amoklauf.