Porträt

Schwangerschaftsberatung

Exot unter Frauen

Porträt: Christoph Pott, der sich in einem Beratungsgespräch befindetChristoph Pott, Berater in der Familienberatungsstelle des DiCV Aachen an der Reumontstraße, in einem Gespräch mit einem werdenden Vater. Im Verlauf des Gesprächs erstellt Pott ein sogenanntes Genogramm.DiCV Aachen

Immer dann, wenn sein Team den Eindruck hat, bei einer Schwangerenberatung könnte es sinnvoll sein, wenn auch ein männlicher Berater in die Beratung eingebunden wird, tritt Christoph Pott auf den Plan. Denn nach Ansicht der Caritas Familienberatung Aachen, die Schwangerenberatung und Erziehungsberatung unter einem Dach vereint, haben nicht nur die werdenden Mütter einen Anspruch auf Beratung, sondern auch die werdenden Väter. "Und für die Männer kann es ganz gut sein, wenn sie jemand berät, der weiß, wie es ist, Vater zu sein und ein Kind zu haben", sagt Pott. Er ist Vater einer Tochter. "Ich habe deshalb im Einzelfall in der Beratung die Möglichkeit, etwas von meinem Vater-Sein zu erzählen. Das können auch humorvolle Dinge sein. Die sind manchmal gar nicht schlecht, weil sie eine Beratung sehr auflockern können", sagt Pott.

Manchmal kommt es auch vor, dass sich Frauen an den Berater wenden und ihn bitten, einmal mit ihrem Partner zu sprechen. Christoph Pott erinnert sich an eine schwangere Frau mit Migrationshintergrund, die sich beklagte, ihr Mann packe sie in Watte. "Sie wollte, dass ihr Mann gelassener mit der gesamten Situation umgeht", erzählt Pott.

Ressourcen der Familie entdecken

Heute sitzt Markus Schmitz* bei Christoph Pott in der Beratung. Die Exfreundin des 20-Jährigen erwartet ihr erstes Kind. Das Paar hat sich gerade getrennt. Schmitz ist sehr verunsichert, hat viele Fragen an Pott, was wohl nun auf ihn zukomme. "Ich fühle mich manchmal alleine mit den vielen Fragen, die ich habe", sagt er. Christoph Pott nimmt einen Schreibblock. Während er Markus Schmitz genau zu den familiären Hintergründen befragt, aber auch zu Freunden und Bekannten und seiner beruflichen Situation, malt Pott eine Skizze auf das Papier: ein Genogramm. Vereinfacht ausgedrückt ist es eine einem Stammbaum ähnliche grafische Darstellung einer Familienkonstellation. "Ich arbeite gelegentlich damit. Dadurch kann für den zukünftigen Vater deutlich werden, wie seine Situation in der Familie tatsächlich ist", sagt Pott.

Ohnehin geht es ihm und dem Team der Beratungsstelle darum, die Ressourcen der Familien zu entdecken. Auf sich allein gestellt seien junge Familien meist bei der Suche nach einer Wohnung, einem Kindergartenplatz und bei der Suche nach geeigneter Unterstützung. In der Beratung mit Vätern versucht Pott oft, konkrete Absprachen zu treffen. Beispiel Kindergartenplatzsuche: "Ich weise darauf hin, das Thema nicht zu spät anzugehen. Und manchmal vereinbare ich mit dem Vater auch, bis zum nächsten Beratungstermin bei Kindergärten anzurufen, damit er sich nach freien Plätzen oder den Wartezeiten erkundigen kann. Wir möchten so die Eltern frühzeitig befähigen, für sich selbst einzutreten", sagt Pott.

Seit 2013 arbeitet er in der Familienberatung Aachen. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Erziehungsberatung, die Schwangerenberatung und sexualpädagogische Angebote für Jugendliche. Herausfordernd sei seine Tätigkeit, aber auch interessant und bereichernd. Viele Väter könne er ermutigen, sich auch nach der Geburt für ihre Kinder angemessen zu engagieren.

* Name geändert