Caritas in NRW

Familienhebamme

Zwischen Notwendigem und Nähe

Zwei Frauen stehen vor einer grünen Tafel. Eine Frau trägt eine Babypuppe im Arm.Ein gutes Team: Brygida Kaylant (Früh aufsuchende Familienhilfe, l.) und Familienhebamme Christine Mehnert (r.) zeigen mit der Babypuppe, was gemeint ist, wenn sie sagen: Kinder müssen ans Herz gelassen werden.Foto: Christine Lanwehr

Denn Bindung - das ist für Christine Mehnert (59) innere Verbundenheit und bindende Verpflichtung in einem. Tugenden, die sie ihren Klienten nahebringt, weil diese oftmals nicht in der Lage sind, in bindenden Kontakt zu ihrem (ungeborenen) Kind zu treten.

"Sichere Bindung ist der wichtigste Schutz für ein Kind", sagt Christine Mehnert. Gemeinsam mit Sema Yilmaz ist sie eingebunden ins Team des Früh aufsuchenden Familiendienstes beim Caritasverband Iserlohn. "Die ersten drei Jahre, 2009 bis 2012, sicherten Spenden den Dienst der Familienhebammen", erläutert Fachbereichsleiter Torsten Filthaut. Seit 2012 regelt das Bundeskinderschutzgesetz die Finanzierung, das Wirken der Familienhebammen ist damit abgesichert.

Christine Mehnert war 30 Jahre als Hebamme in der Geburtshilfe tätig. Dann folgte der Seitenwechsel zur Beratung Schwangerer und junger Eltern. Ihre Klienten haben mehr Schatten- als Sonnenseiten des Lebens kennengelernt. Vernachlässigung, Drogenkonsum, multiple Traumata, Schulden, Sucht, ungewollte und frühe Schwangerschaften - "wie sollen Menschen, die selber Bindung nie gespürt haben, diese weitergeben?", fragt Brygida Kaylant aus der Früh aufsuchenden Familienhilfe. Und so arbeiten die Fachfrauen Hand in Hand, fängt das Netz der Caritas-Dienste vielfache Probleme auf.

Diese Angebote greifen im weiteren Lebensverlauf, Christine Mehnert und Sema Yilmaz sind ganz am Anfang dabei. Vermittelt werden sie durch Schwangerschaftsberatungsstellen, Frauenärzte, Verwandte, Freunde. Ihnen ist es wichtig, für Hilfesuchende Partnerinnen auf Augenhöhe zu sein. Keine Verpflichtung, keine Verträge - einfach da zu sein, das ist wichtig.

Das erste Kennenlernen findet zumeist in der Wohnung der Frauen statt. Das gibt der Familienhebamme einen ersten Eindruck von den Lebensumständen. Zwei- bis dreimal pro Woche trifft sie ihre Klienten, maximal bis zum ersten Geburtstag des Kindes. Dann erfolgt, so nötig, der Übergang in andere Dienste. Als Kinderkrankenschwester mit Zusatzausbildung kann Sema Yilmaz die Familien bis zum dritten Geburtstag des Kindes begleiten.

Es sind kleine Schritte, die Christine Mehnert motivieren - und ein täglicher Spagat zwischen Notwendigem - wie etwa Babyausstattung zu besorgen - und Nähe: "Die Kinder ans Herz zu lassen, ist das Wichtigste", sagt sie - und meint das im doppelten Sinn.

Porträt: Christine Mehnert
Porträt: Torsten Filthaut
Porträt: Sema Yilmaz
Porträt: Brygida Kaylant

Nesthilfe heißt der Familienhebammendienst der Caritas Iserlohn:
Christine Mehnert, Torsten Filthaut, Sema Yilmaz, Brygida Kaylant.
Fotos: Christine Lanwehr

Von einer jungen Frau erzählt sie, die es nicht schaffte, ihren Babybauch zu berühren. "Sie konnte es einfach nicht." Behutsam hat sie die werdende Mutter schließlich dazu gebracht, sodass diese erstmals ihr Ungeborenes spüren konnte. Das sind die Momente, in denen Christine Mehnert weiß, warum sie diese Arbeit macht, in denen sie spürt, dass die Bindung anfängt.

Christine Lanwehr

Nesthilfe, Caritasverband Iserlohn
Telefon: 02371/8186-875