Schweigen brechen, Veränderung schaffen
Die Psychologin Annika Fiege ist Referentin für Prävention und Aufarbeitung beim Diözesan-Caritasverband in Münster.Foto: Michael Bönte
Seit 2017 berät Annika Fiege die Dienste und Einrichtungen der Caritas im Bistum Münster im Bereich Prävention sexualisierter Gewalt. Zentrale Themen sind dabei: Institutionelle Schutzkonzepte, ihre Umsetzung und Weiterentwicklung, die Aus- und Fortbildung von Präventionsfachkräften, ihr Austausch untereinander durch Netzwerktreffen und Qualitätszirkel sowie die Präventionsschulungen für Haupt- und Ehrenamtliche. Zudem organisiert sie Qualifizierungen und Vernetzungstreffen für die Schulungsreferentinnen und -referenten.
Für die Netzwerktreffen identifiziert und setzt sie Schwerpunktthemen. So gehe es bei den Schulungsreferentinnen und -referenten in diesem Jahr darum, wie künstliche Intelligenz sie bei zielgruppenspezifischen Präventionsschulungen unterstützen kann, beispielsweise im Hinblick auf einfache Sprache. Beim Treffen der Präventionsfachkräfte steht traumasensible Gesprächsführung im Fokus. "Die Menschen, die in die Veranstaltungen kommen, erlebe ich als sehr engagiert und dass ihnen das Thema Prävention ein Herzensanliegen ist", sagt Annika Fiege.
Wichtig ist für sie auch der fachliche Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den anderen vier Diözesan-Caritasverbänden in Nordrhein-Westfalen. Es geht zum Beispiel darum, wie Synergien entstehen und genutzt sowie gemeinsame Positionierungen erarbeitet werden können. Hinzu kommt einmal im Jahr ein Treffen zu den Themen Prävention, Aufarbeitung und Intervention unter Federführung des Deutschen Caritasverbandes.
Empfehlungen und Instrumente
Im Kontext von Aufarbeitung gibt es Anfragen von Trägern, die sich bewusst dem Thema stellen. Ihnen steht Fiege beratend zur Seite. Eine Grundlage dafür bilden die durch die Geschäftsführenden der Orts- und Fachverbände 2023 erstellten Handlungsempfehlungen, die jetzt noch durch einen Instrumentenkoffer erweitert werden. "Ein gemeinsamer Fachtag der Caritas in NRW soll Mut machen, sich dem Thema Aufarbeitung zu stellen und die Handlungssicherheit zu stärken", sagt Annika Fiege. Besonders wichtig ist ihr: "Wer einen echten Aufarbeitungsprozess machen möchte, muss die Perspektive der Betroffenen einbeziehen."
Im Diözesan-Caritasverband in Münster ist sie Präventionsfachkraft und interne Ansprechperson für die rund 170 Mitarbeitenden. Dass es Räume und eine Atmosphäre gibt, wo Menschen ein komisches Bauchgefühl offen ansprechen können, zu befähigen, über Prävention und Intervention zu sprechen, sowie Handlungssicherheit zu geben, das treibt Fiege an. "Nur wer über sexualisierte Gewalt spricht, kann etwas verändern."