Prävention im Alltag leben
Gundula Uflacker hat sich zur Präventionsfachkraft weiterbilden lassen.Foto: Markus Lahrmann
Die Aufgabe der Präventionsbeauftragten übernahm die Diplom-Pädagogin seinerzeit zusätzlich zu ihrer Tätigkeit in der Stabsfunktion mit Aufgaben in Kommunikation und Entwicklung, die sie bis heute ebenfalls innehat. "Ich war damals schon mit der Personal- und Organisationsentwicklung sowie dem Qualitätsmanagement in unserem Verband betraut. So passte die Aufgabe inhaltlich wie strukturell sehr gut zu meiner Person und Stellung", erklärt Gundula Uflacker. Seither arbeitet sie daran mit, Schutzkonzepte zu entwickeln und das Thema im Alltag der Einrichtungen mit Leben zu füllen.
Seit der ersten Präventionsordnung des Erzbistums Köln im Jahr 2014 begleitet Gundula Uflacker die Umsetzung der Vorgaben im Caritasverband Leverkusen. Gemeinsam mit den Einrichtungen ging sie der Frage nach: Wo können im Beratungs- oder Betreuungsalltag kritische Situationen entstehen? In allen Einrichtungen wurden Risikoanalysen durchgeführt, wurde genau hingeschaut, diskutiert und abgewogen.
Auf dieser Basis entstanden Schutzkonzepte, die bis heute weiterentwickelt werden. Neben dem allgemeinen Verhaltenskodex des Caritasverbandes Leverkusen, den alle neuen Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitsvertrag unterschreiben, gibt es einrichtungsspezifische Kodizes. Sie regeln unter anderem den Umgang mit Nähe und Distanz, Sprache und achtsamem Miteinander. "Diese Kodizes sind verbindlich, aber sehr individuell", erklärt Gundula Uflacker. Denn jede Einrichtung bringt andere Rahmenbedingungen, Zielgruppen und Risiken mit sich.
Ein institutionelles Schutzkonzept muss längst jede Caritas-Einrichtung haben – und mit Leben füllen.Foto: Markus Lahrmann
Orientierung an den Leitlinien
Kommt es zu einem Vorwurf, steht Gundula Uflacker als erste Ansprechpartnerin zur Verfügung. "In den Einrichtungen ist bekannt, dass ich die Ansprechperson bin zusammen mit einer Kollegin, die für den Kita-Bereich zuständig ist. Wenn irgendwo ein Vorwurf im Raum steht, wird das oft zunächst an uns herangetragen, wir üben eine interne Lotsenfunktion aus." Auch wenn die Intervention nicht in ihre direkte Zuständigkeit fällt, bietet sie ein offenes Ohr, sucht das Gespräch in der betroffenen Einrichtung, schaut, welche weitergehenden Schritte nötig sind. "Wir orientieren uns hier an den Leitlinien des Deutschen Caritasverbandes, vermitteln passende Ansprechpersonen, abgestimmt darauf, um welche Inhalte es geht."
Eine Situation, die immer auch belastend ist. "Jeder im Raum stehende Vorwurf ist erst mal erschütternd und lässt einen nicht unberührt. Man muss aber auch dazu sagen, dass es in den vergangenen Jahren nur sehr wenige Fälle gegeben hat", betont Gundula Uflacker. Um das Gehörte zu verarbeiten, habe sie "ein sehr gutes kollegiales Netzwerk, das die Möglichkeit der Reflexion und Entlastung bietet". Auch auf eine externe Supervision könne sie im Bedarfsfall zurückgreifen, dies sei aber bislang noch nicht nötig gewesen. Externe Supervision bietet der Verband auch den betroffenen Teams zur Aufarbeitung von Vorwürfen an.
Klare Zuständigkeiten
Rückblickend hat sich vieles verändert. "Wenn heute etwas im Argen liegt, wird das auf den Tisch gebracht", sagt Gundula Uflacker. Es gebe klare Prozesse, Zuständigkeiten und eine größere Sensibilität. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen. Dennoch bleibt Prävention eine Daueraufgabe. Ein Thema, das immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden muss.