Caritas in NRW – AKTUELL

2/2018

Rote Karte für die AfD

Drei Frauen und ein Mann mit Rollator halten eine rote Karte hoch"Wir haben uns das nicht ausgesucht, aber wir leben damit."Marie-Luise Schulze-Jansen

Die Partei hatte darin Auskunft über Zahlen von behinderten Menschen und über Ursachen von Behinderungen verlangt. Dabei stellte sie einen Zusammenhang mit Inzucht her, die sie besonders bei Migranten vermutete.

Wir sind Betroffene", heißt es in einem Brief der Caritas-Werkstatträte an die AfD-Fraktion im Bundestag. Betroffen in dreifachem Sinne:

"Wir sind alle Menschen, die von einer Einschränkung  betroffen sind und wir sind, von Ihrer Anfrage betroffen, weil wir ‚gezählt‘ werden. Und zum Dritten macht uns Ihre Anfrage menschlich betroffen. Wir wollen nicht in Übersichten und Listen erfasst und gezählt werden, und wir wollen nicht, dass andere Menschen darüber entscheiden, ob unser Leben gut und lebenswert ist oder nicht. Das können wir selbst.

Die Gründe für unsere Handicaps  sind vielfältig und machen sicher auch einen Teil unserer Persönlichkeiten aus. Aber eben auch nur einen Teil. Den weit größeren Teil machen unsere Fähigkeiten, Werte und Gefühle aus. Wir sind fröhlich, freundlich, offen anderen Menschen gegenüber, sportlich, kreativ, humorvoll; manchmal auch wütend oder traurig. Wir verlieben uns und heiraten oder leben in Beziehungen, führen ein eigenes Leben und haben Freunde und Familie, die uns wichtig sind und um die wir uns kümmern. Darin unterscheiden wir uns ganz sicher nicht von Ihnen. Und es gibt zum Glück viele Menschen in unserem Leben, die uns nicht auf unsere Handicaps reduzieren. Sie sehen nicht unsere Einschränkungen, obwohl diese manchmal offensichtlich sind und sie selbst vielleicht  keine  haben. Sie sehen unsere Persönlichkeiten. Mit Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch sie hat."

Stellungnahme der LAG der Caritas-Werkstatträte

"Als Landesarbeitsgemeinschaft der Caritas-Werkstatträte von NRW sind wir entsetzt über diese Sichtweise", heißt es in einer Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft der Caritas-Werkstatträte, die auf einer Versammlung einstimmig beschlossen wurde. "Auch wenn die AfD von Inklusion nichts wissen will, sollte sie doch zur Kenntnis nehmen, dass hinter jedem Menschen mit Behinderung ein Mensch mit eigenen Vorstellungen und Ansichten steht, ein Mensch mit seiner eigenen Art, das Leben zu genießen, vielleicht, sicherlich in bestimmten Situationen auch hier und da behinderungsbedingt, mit der einen oder anderen Sache zu hadern, aber zumeist Freude am Leben zu haben.

Behinderung bedeutet auch Vielfalt, nicht nur beim Sport. Behinderung bedeutet sicherlich auch den Kampf gegen mancherlei Barrieren, die es so weit als möglich nach und nach abzubauen gilt. Wir sind Menschen, die je nach Interesse sportlich aktiv sind, kulturelle oder informative Angebote mögen, Spaß am Feiern haben oder die Geselligkeit lieben, aber auch für unsere Rechte eintreten. Die Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderung ist so unterschiedlich wie die Gesellschaft an sich. Dieses als Problem zu sehen oder gar als ‚gesellschaftliches Übel‘, stößt auf unsere entschiedene Ablehnung."

"Wenn (die AfD-Bundestagsabgeordnete; die Red.) Nicole Höchst als eine der Autorinnen der Anfrage erklärt, es gehe ihnen um Steuerung und Handlungswissen, so spricht dies Bände. Da fragt man sich, was gesteuert werden soll und inwiefern gehandelt werden soll."

Weitere Informationen zur LAG der Werkstatträte in Caritas-Werkstätten finden Sie hier.



Weitere Beiträge zum Thema "Menschen mit Behinderung" finden Sie hier in unserem Themendossier.

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