Ohne Sprachförderung keine Integration
Stefanie Siebelhoff ist Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen.Foto: Nicole Cronauge
Die Integrationsminister*innen haben mit der Mehrheit der Länder vom Bund gefordert, das Gesamtprogramm Sprache dauerhaft zu sichern und bedarfsgerecht auszubauen. Dazu gehört insbesondere, den Zulassungsstopp sowie bestehende Zugangsbeschränkungen bei Integrationskursen zurückzunehmen. Das ist richtig!
Denn der angekündigte Sparkurs des Bundes würde nicht nur Kommunen und Länder, sondern auch die Gesellschaft teuer zu stehen kommen. Ohne Sprachförderung keine Arbeitsmarktintegration und ohne Arbeitsmarktintegration keine gesellschaftliche Integration! Daran ändert auch der Hinweis von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nichts, dass die beste Integration die "in die Arbeitswelt" sei.
Laut einer Expertise des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2024 führt ein solcher "Arbeit first"-Ansatz zwar kurzfristig zu höheren Beschäftigungsquoten, hat jedoch häufig prekäre Arbeitsverhältnisse zur Folge. Dies kann auch den Spracherwerb beeinträchtigen und somit langfristig Integrationsziele gefährden. Eine fundierte Sprachausbildung führt demgegenüber zu adäquater Beschäftigung und stabilen Beiträgen in die Sozialsysteme.
Klar ist: Ein zügiger Zugang zum Arbeitsmarkt ist ein zentraler Faktor für gelingende Integration. Er hilft nicht nur den Zugewanderten selbst, sondern kommt auch Unternehmen, Betrieben und Einrichtungen zugute - insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels. Der Schlüssel zu Integration und gesellschaftlicher Teilhabe ist jedoch das Beherrschen der Sprache.
Sie zu fördern, ist allem übergeordnet.
Die Streichung der Mittel für die unabhängige Asylverfahrensberatung ab 2027 ist ein Schritt, den ich für falsch und folgenreich halte: Ohne Bundesmittel droht das endgültige Aus für viele Beratungsangebote - mit dramatischen Folgen für Schutzsuchende, Kommunen und die Rechtsstaatlichkeit. Gerade jetzt, wo Asylverfahren weiter verschärft werden, ist professionelle Beratung unverzichtbar.
Leider lässt sich die Bundesregierung von solchen Szenarien bislang nicht beeindrucken. Mit dem Leistungsrechtsanpassungsgesetz, dem geplanten Wegfall der Förderung für die unabhängige Asylverfahrensberatung oder der Ablehnung der Landesaufnahmeprogramme für Jesid*innen in Deutschland hat sie ihre Bereitschaft zu Alleingängen gezeigt - entgegen starken politischen und gesellschaftlichen Widerständen.
Dennoch muss der politische Druck aufrechterhalten werden - schließlich haben wir als Caritas in NRW im Verbund mit den anderen Wohlfahrtsverbänden gemäß dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" auch in der Vergangenheit bereits viel erreicht.
