Caritas macht sich krisenfest
Foto: Marjin Fidder / Caritas international
Was als Soforthilfe nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 begann, hat sich zum Resilienzstärkungsprogramm weiterentwickelt, um die Caritas auf künftige krisenhafte Situationen gut vorzubereiten. Dafür stehen beispielsweise dem Netzwerk der Caritas im Bistum Essen bis Dezember 2027 500.000 Euro zur Verfügung.
"Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein die Bewältigung vergangener und aktueller Krisen, sondern die systematische Vorbereitung auf künftige Herausforderungen", erklärte Stefanie Siebelhoff, Diözesan-Caritasdirektorin in Essen und Co-Sprecherin der Caritas in NRW. Siebelhoff trägt seit Mitte 2025 die Themenverantwortung für Krisenresilienz der Caritas in NRW. "Die Caritas ist seit jeher gesellschaftlicher Risikomanager und Krisenbewältiger - das liegt in unserer DNA. Aber die Krisen verändern sich dramatisch: Extremwetter durch den Klimawandel, Energieausfälle, geopolitische Spannungen mit ihren Folgen für Migration, Versorgungsketten und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darauf müssen wir neue Antworten finden. Die Caritas muss unter Krisenbedingungen reaktionsfähiger werden."
Caritas macht Klima
Bei einem Ortstermin in Essen mit Vertretern von caritas international, die krisenerfahren sind, präsentierte das Team des Caritasverbandes für die Stadt Essen das Teilprojekt "Caritas macht Klima - Stark in der Krise". Dieses sensibilisiert für Risiken durch Extremwetterereignisse und Krisensituationen und hilft den Diensten der Caritas-SkF-Essen-Familie, angemessen zu handeln. So entwickelt das Projektteam Krisenleitfäden für sämtliche Arbeitsbereiche, die Szenarien wie Stromausfall, Heizungsausfall, Starkregen, extreme Hitze oder Personalausfall abdecken. Bis Ende des Jahres sollen auch individuelle Krisenpläne entwickelt sein.
Darüber hinaus engagiert sich die Caritas in Essen im lokalen Krisenmanagement, indem sie ihre sozialfachliche Expertise gezielt in die kommunale Katastrophenvorsorge einbringt und sich mit Feuerwehr, Maltesern und weiteren Akteuren der Katastrophenhilfe vernetzt. "So entsteht eine Brücke zwischen der klassischen Gefahrenabwehr und der sozialen Unterstützung vulnerabler Bevölkerungsgruppen im Krisenfall, die besonders wichtig ist - eine Erkenntnis aus der Fluthilfe", sagt Dana Erl vom Caritasverband für die Stadt Essen.
"youngcaritas macht Klima - Krisenresilient in die Zukunft" ist das zweite Teilprojekt. Hier wird das Thema Krisenresilienz aufgegriffen und gezielt in bestehende Angebote und Aktionen für junge Menschen integriert. Gemeinsam mit Jugendlichen werden interaktive und realitätsnahe Planspiele entwickelt, und youngcaritas produziert beispielsweise Videos zum richtigen Umgang mit Extremwetterereignissen und Krisen.
Der Caritasverband Altena-Lüdenscheid hatte nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Märkischen Sauerland rund 160 Haushalte mit etwa 320 Hochwassergeschädigten beraten und unterstützt. "Die Fluthilfeberatung ist seit Januar 2024 das einzige örtliche Angebot zur Unterstützung der Betroffenen und bearbeitet bis heute komplexe Fälle der Wiederaufbauhilfe des Landes NRW", erklärt Stefan Hesse, Direktor des Caritasverbandes Altena-Lüdenscheid.
Parallel dazu hat der Verband mit dem Projekt "NOAH bewegt" rund 750 junge Menschen zu Themen wie Trinkwasser, Waldschutz und den UN-Nachhaltigkeitszielen für Klimaschutz und Krisenresilienz sensibilisiert. In der aktuellen Förderphase soll nun die Katastrophenvorsorge systematisch in die Caritas-Beratungsdienste eingebunden werden. So baut beispiels-weise die "Allgemeine Sozialberatung" Angebote zu individueller Resilienz und Traumabewältigung auf, um Menschen stark zu machen, die besonders anfällig für Krisen sind.
