Darauf weist die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Sucht (KLAGS) hin, die sich heute zu einer Arbeitstagung in Dortmund trifft, und fordert politische Initiativen zur Stärkung der Prävention.
"Kinder von suchtkranken und auch von psychisch kranken Eltern gehören zu den am stärksten belasteten und zugleich am wenigsten sichtbaren Risikogruppen in unserem Hilfesystem", erklärt der KLAGS-Vorsitzende, der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Ralf Nolte. "Diese Kinder tragen ein erheblich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine Suchterkrankung oder andere psychische Belastungen zu entwickeln - und bleiben dennoch viel zu oft ohne Unterstützung." Hier müsse Prävention ansetzen, fordert Nolte.
Studien weisen nach, dass etwa ein Drittel der betroffenen Kinder später selbst eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt, ein weiteres Drittel leidet unter anderen psychischen Störungen. Gleichzeitig ist die Dunkelziffer hoch - viele Kinder werden im Alltag der Hilfesysteme nicht erkannt.
Der Deutsche Bundestag hatte vor einem Jahr mit einem fraktionsübergreifenden Antrag zur Stärkung von Prävention und Unterstützung für Kinder sucht- oder psychisch kranker Eltern einen wichtigen Impuls gesetzt. Ziel ist es unter anderem, Hilfesysteme besser zu vernetzen, frühzeitige Unterstützung auszubauen und Familien ganzheitlich in den Blick zu nehmen.
Die KLAGS begrüßt diesen Ansatz ausdrücklich, sieht jedoch dringenden Handlungsbedarf bei der Umsetzung in Nordrhein-Westfalen.
"Der politische Wille ist da - jetzt kommt es darauf an, tragfähige Strukturen vor Ort zu schaffen", betont Nolte. "Wir brauchen verbindliche Netzwerke zwischen Suchthilfe, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen, damit betroffene Kinder frühzeitig erreicht werden."
Aus Sicht der KLAGS ist insbesondere der Ausbau familienorientierter Suchthilfeangebote und die Stärkung bestehender Beratungsdienste wie der Beratungsstellen für Eltern, Kindern und Jugendliche entscheidend. Dazu gehören niedrigschwellige und aufsuchende Hilfen, die Familien direkt in ihrem Lebensumfeld erreichen, Gruppenangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien ebenso wie verlässliche Lotsen- und Koordinationsstrukturen, die Betroffene durch das komplexe Hilfesystem begleiten.
Zugleich fordert die KLAGS eine stärkere Verankerung der Suchthilfe in kommunalen Präventionsketten sowie gezielte Fortbildungsangebote für Fachkräfte in allen relevanten Bereichen. Nur so könne sichergestellt werden, dass betroffene Kinder nicht länger "durch das Raster fallen".
"Es geht um nichts weniger als faire Lebens- und Entwicklungschancen für hunderttau-sende Kinder in Nordrhein-Westfalen", so Nolte. "Prävention ist hier keine Option, sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung."
Hintergrund:
In Deutschland leben rund drei Millionen Kinder mit mindestens einem suchtkranken Elternteil. Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl aufgrund hoher Dunkelziffern deutlich höher liegt. Kinder aus suchtbelasteten Familien gelten als eine der größten verdeckten Risikogruppen im sozialen Hilfesystem.
Die KLAGS (Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Sucht), ist ein Zusammenschluss der fünf diözesanen Gliederungen des Kreuzbundes, dem katholischen Selbsthilfeverband für Suchtkranke und deren Angehörige, und der Diözesan-Caritasverbände in NRW