Düsseldorf/Köln - Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Wehrdienstes, der auf Freiwilligkeit setzen will, mahnt die Caritas in NRW vergleichbare Bedingungen auch für die sozialen und ökologischen Freiwilligendienste an. "Wenn Soldaten kostenfrei Bahn fahren können, dann sollte das konsequenterweise auch für die jungen Menschen gelten, die sich anderweitig engagieren. Das wäre folgerichtig und gerecht", so der Sprecher der NRW-Caritasdirektoren, Dr. Frank Johannes Hensel.
"Junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten, dürfen gegenüber Wehrdienstleistenden nicht benachteiligt werden. Sie tragen mit ihrem Einsatz in sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern, Kitas oder im Naturschutz ganz wesentlich zur Stärkung unserer Gesellschaft bei", sagt Hensel. Ihr Engagement verdiene Wertschätzung - nicht nur mit Worten, sondern auch mit konkreten Vorteilen.
Jeden Tag machen sich bis zu 100.000 Freiwillige in Deutschland auf den Weg in ihre Einsatzstellen. Sie bekommen dafür je nach Einsatzstelle ein Taschengeld zwischen 150 und 644 Euro - insgesamt zu wenig, um daraus auch noch die Kosten für den täglichen Weg zur Einsatzstelle zu bestreiten, meint Hensel, der Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Köln ist.
Diese Verbesserungen fordert die Caritas in NRW für Freiwilligendienst-Leistende:
- Kostenlose Tickets für Nah- und Fernverkehr - vergleichbar mit den Soldaten, die seit 1. Januar 2020 (regional und überregional) kostenlos mit der Bahn fahren dürfen.
- Vergünstigungen bei Kultur, Bildung und Freizeit - etwa durch freien oder stark reduzierten Eintritt in Museen, Theater, Schwimmbäder oder Sporteinrichtungen.
- Verpflichtender finanzieller Zuschuss zu Miete und Verpflegung. Bisher sind die Beihilfen freiwillig und variieren je nach Träger und Einsatzort.
- Stärkere Anerkennung im Bildungsweg durch verbesserte Anrechnung von Freiwilligendiensten auf Wartesemester oder Ausbildungszeiten.
"Wenn wir auf die freiwillige Kraft der jungen Menschen setzen, dann müssen wir auch die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie sich ohne große finanzielle Hürden für ein Jahr im Dienst der Gesellschaft entscheiden können", betont Hensel. "Das ist ein Gebot der Fairness - und ein starkes Signal für den Zusammenhalt und unsere gesellschaftliche Zukunft."