Die Caritas in Nordrhein-Westfalen warnt eindringlich vor den geplanten Kürzungen und Zugangsbeschränkungen bei staatlich geförderten Integrationskursen. Die Entscheidung der Bundesregierung, seit Ende 2025 keine Berechtigungsscheine mehr für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen zu erteilen und die kostenfreie Teilnahme künftig nur noch auf Menschen mit verpflichtendem Anspruch zu beschränken, sei ein falsches Signal für eine gelingende Integration, betont Dr. Frank Johannes Hensel, Sprecher der Caritasdirektoren in NRW
"Sprache ist das Herz jeder Integration. Denn Sprache ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und Arbeitsmarktintegration - wer den Zugang dazu blockiert, torpediert genau das, wozu Politik sich sonst bekennt", so Hensel. Er kritisiert, dass Menschen mit Bleibeperspektive, darunter EU-Bürgerinnen und -Bürger, Geduldete oder Geflüchtete aus der Ukraine, durch den aktuellen Zulassungsstopp faktisch von Kursen ausgeschlossen werden, obwohl sie Deutsch lernen und sich integrieren möchten. Das ist politisch sehr, sehr kurzsichtig", sagt Hensel auch mit Blick auf dringend benötigte Arbeitskräfte.
Die Kürzungspläne treffen zehntausende Menschen, die motiviert und willens sind, an deutschen Sprach- und Orientierungskursen teilzunehmen - und für die sogar ausreichend Plätze vorhanden wären. Dies sorge nicht nur für Frustration bei den Betroffenen, sondern untergrabe den Vertrauensschutz und die verlässliche Planung der Integrationsinfrastruktur.
Hensel macht deutlich: "Integration ohne Sprache ist zum Scheitern verurteilt. Die jetzigen Einschränkungen verschärfen gesellschaftliche Spaltungen, statt sie zu überwinden. Sie gefährden den Arbeitsmarktzugang, behindern Teilhabe und erhöhen langfristig soziale Kosten." Die Caritas ruft Bund und Länder dazu auf, den Zugang zu Integrationskursen sofort wieder offen und bedarfsgerecht zu gestalten und die Förderung dieser Angebote nicht als Kürzungsposten zu betrachten, sondern als Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Fachkräftesicherung.
Die Caritas in NRW fordert, den Zulassungsstopp unverzüglich zurückzunehmen und die Integrationskurse als zentrales Element einer nachhaltigen Integrationspolitik sicherzustellen - zugänglich für alle, die lernen, leben und arbeiten wollen in Deutschland.
Hintergrund: Integrationskurse bestehen aus Sprachunterricht sowie einem Orientierungskurs zur deutschen Geschichte und Gesellschaft. Sie gelten als bewährtes Instrument zur Förderung von Teilhabe und Arbeitsmarktintegration.