Die Caritas fordert deshalb, Bevölkerungsschutz künftig umfassender zu denken - als Zusammenspiel von Gefahrenabwehr, sozialer Infrastruktur und gesellschaftlicher Resilienz.
"Die Flutkatastrophe 2021 hat uns auf dramatische Weise vor Augen geführt, dass Bevölkerungsschutz mehr ist als technische Gefahrenabwehr. Menschen brauchen in Krisen nicht nur Rettung, sondern auch Orientierung, soziale Stabilität und langfristige Begleitung. Genau an dieser Stelle leisten Wohlfahrtsverbände wie die Caritas einen unverzichtbaren Beitrag - insbesondere für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Familien oder andere vulnerable Gruppen," sagt die Essener Diözesan-Caritasdirektorin Stefanie Siebelhoff. Sie vertritt die Caritas NRW in der Landesstelle Katastrophenschutz, die die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Hilfsorganisationen in Krisenfällen koordiniert.
Die Caritas habe in den betroffenen Regionen Nordrhein-Westfalens seit 2021 gezeigt, welche Rolle freie Wohlfahrtspflege in komplexen Krisensituationen übernehmen könne: von Soforthilfen über psychosoziale Beratung bis hin zur langfristigen Begleitung von Betroffenen und dem Wiederaufbau sozialer Netzwerke vor Ort.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Reform des nordrhein-westfälischen Brand-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetzes (BHKG) fordert die Caritas nun eine strukturelle Neuausrichtung des Bevölkerungsschutzes auf Landesebene. Die geplanten neuen Katastrophenschutzstrukturen müssten soziale Infrastruktur von Anfang an mitdenken. Siebelhoff betont: "Nordrhein-Westfalen hat jetzt die Chance, aus den Erfahrungen der Flutkatastrophe die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Wenn wir Krisenresilienz ernst nehmen, reicht es nicht, soziale Träger, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Wohlfahrtsverbände in die Sicherheitsarchitektur unseres Landes einzubinden - sie müssen sich auch selbst krisenfest aufstellen und ihre eigene Betriebsfähigkeit im Ernstfall sichern. Nur so bleiben sie genau dann verlässlich, wenn die akute Gefahrenabwehr noch läuft."
Mit rund 300.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden und etwa 100.000 ehrenamtlich Engagierten verfügt die Caritas in Nordrhein-Westfalen über eines der größten sozialen Netzwerke des Landes. Diese bestehende Infrastruktur könne im Krisenfall entscheidend dazu beitragen, Hilfe schnell in die Fläche zu bringen und besonders schutzbedürftige Menschen zu erreichen.
"Die zentrale Lehre aus 2021 lautet für uns: Ein resilientes Nordrhein-Westfalen entsteht dort, wo soziale Infrastruktur handlungsfähig bleibt und Menschen auch nach der akuten Katastrophe verlässlich begleitet werden. Diese Perspektive muss künftig ein fester Bestandteil des Bevölkerungsschutzes sein," betont Siebelhoff.