Kritik am Pflege-TÜV wächst
Caritas-Träger hat Klage eingereicht / Experten decken Mängel auf
Die Kritik an den im Internet veröffentlichten Prüfberichten über Pflegeheime reißt nicht ab. Als einer der großen Träger von stationären Pflegeeinrichtungen in Nord-rhein-Westfalen hat die CBT (Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft) mit Sitz in Köln Klage gegen das sogenannte Transparenz-Verfahren und die Veröffentlichung von Prüfergebnissen erhoben. Kritik kommt auch von Sozialverbänden und Verbraucherschützern, während die Kassen das Verfahren grundsätzlich verteidigten.
Die CBT strebt nach eigenen Angaben mit der Grundsatzklage eine sozialrechtliche Überprüfung des Prüf- und Transparenzverfahrens an. Gegen die Veröffentlichung der Transparenzberichte ist sie mit einstweiligen Verfügungen vorgegangen.
Die Prüfergebnisse bildeten die tatsächliche Qualität der Pflege nicht hinreichend ab, erklärte die CBT. Die Bewertungsmaßstäbe und die Prüfkataloge stünden „fachlich betrachtet auf äußerst unsicheren Füßen", sagte CBT-Geschäftsführer Franz-Josef Stoffer. Das tatsächliche Leben, die Zuwendung zu den Bewohnern oder die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Bewohnern würden nicht durch einen Prüfkatalog und erst recht nicht durch eine Note abgebildet, sagte er. Auch die geforderte Dokumentation überschreite das Maß des vertretbaren und sei ein unverantwortlicher und in keiner Weise effizienter Einsatz von Ressourcen.
„Der Prüfkatalog geht nur nach sehr formalen Kriterien vor. Die Menschen schaut man gar nicht an", kritisierte der Essener Diözesan-Caritasdirektor Andreas Meiwes. Es zeige sich, so Meiwes, dass der Subjektivität der Prüfer Tür und Tor geöffnet seien und es keine objektive Bewertung gebe. Er verwies auf ein Beispiel aus dem Kreis Steinfurt: zwei direkt nebeneinanderliegende Altenheime, gleicher Träger, eine gemeinsame Leitung, gleiches Konzept. Das Essen kommt aus einer gemeinsamen Küche und erhält von dem einen MDK-Prüfer ein „Sehr gut", von dem anderen ein „Mangelhaft". Auch bei weiteren Prüfkriterien gibt es bei identischen Antworten diesen Notenspagat.
Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Bistum Aachen: So hat ein Altenheim seit vielen Jahren ein funktionierendes Beschwerdemanagement, die Beschwerden werden nachweislich zur Zufriedenheit aller Beteiligten bearbeitet, aber eine statistische jährliche Auswertung der Beschwerden konnte nicht vorgelegt werden. Die Prüfer werteten das so, als ob es in besagter Einrichtung kein Beschwerdemanagement gäbe. Gute Teilergebnisse fließen also oft nicht in die Bewertung ein. Wird ein Teil eines Prüfkriteriums nicht erfüllt, dann wird es insgesamt als nicht erfüllt bewertet. Dieses Verfahren der Gesamt- und Durchschnittsbewertung lasse kein wirkliches Bild zu, kritisieren Fachleute. Nach Ansicht der Caritas Münster muss an der Notenfindung noch gearbeitet werden, der Prüfkatalog sei zu sehr mit „heißer Nadel gestrickt". CBT-Geschäftsführer Stoffer geht noch einen Schritt weiter: „Über Sinn und Unsinn von Noten für die Pflege sollte noch einmal grundsätzlich nachgedacht werden", fordert er.
M. L.
Aus "Caritas in NRW-AKTUELL", Ausgabe 2/2010









