Caritas-Kampagne 2009


Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft
Die Caritas stellt 2009 „Menschen am Rande“ in den Mittelpunkt ihrer Jahreskampagne. Auf den Plakaten ist zu lesen: „Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“. Was meint sie damit? Die Aufforderung an obdachlose Menschen, sich zu rasieren und ihre leeren Flaschen zu entsorgen? Nein, es geht um mehr: Es geht um Respekt, Kommunikation und Offenheit. Und es geht um den politischen Stil in diesem Land, gerade im Umgang mit den Ärmsten der Armen.
In unserer Leistungs- und Lifestyle-Gesellschaft sind Menschen am Rande das Spiegelbild der Erfolglosigkeit. Besonders gilt dies für Personen, bei denen sich die Probleme über längere Zeit häufen: Arbeitslosigkeit, Trennung und Scheidung, Krankheit, Überschuldung oder Wohnungslosigkeit. Ihre sozialen Beziehungen sind brüchig geworden. Sie kennen Einsamkeit und Gewalt, Aufstehen und Hinfallen aus ihrem täglichen Leben. Oft fehlen ihnen Mut und Kraft. Viel eher sind Resignation, Hoffnungslosigkeit und Ablenkung ihre Lebensthemen.
Trotzdem – sie haben eine unverrückbare Würde. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Sie haben ein Recht darauf, ihre Ressourcen entfalten zu können, mögen diese noch so marginal scheinen. Sie sind ganz einfach: Menschen.
Offen sein, lächeln, Kontakt aufnehmen – dazu fordern die Menschen auf den Kampagnen-Plakaten auf. Sie appellieren an unsere Höflichkeit. Eine höfliche Begegnung mit Menschen am Rande mag zunächst als etwas Unwichtiges erlebt werden. „Man sollte doch erst mal für ein ausreichendes Existenzminimum, für Ausbildung und Arbeitsplätze sorgen, bevor man sich mit einem Sozial-Knigge abgibt“, mag mancher denken. Gegenfrage: „Wann haben Sie das letzte Mal einem Menschen am Rande die Hand geschüttelt?“
Die meisten Menschen begegnen Randgruppen gar nicht. Zwar geht die Mehrheit davon aus, dass es Armut in Deutschland gibt, aber 87 Prozent kennen persönlich keine armen Menschen. Sie sehen diese höchstens auf der Straße in anderen Stadtteilen. Nur 13 Prozent geben an, arme Menschen in der Familie oder im Freundeskreis zu haben. Bei Suchtmittelabhängigen sagen 22 Prozent, dass in ihrem Nahbereich betroffene Menschen leben.
Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland scheint also in einer „heilen Welt“ zu leben. Die Milieus grenzen sich gegeneinander ab. Die Begegnung unterschiedlicher Lebenswelten findet immer weniger statt. In dieser Situation will die Caritas 2009 Grenzen überwinden, zur Kommunikation ermutigen.
Auf den Plakaten der diesjährigen Kampagne treten arme Menschen aus ihrer Anonymität heraus. Sie werden sichtbar, machen sich bemerkbar, auf eine einladende, nicht moralisierende Art und Weise. Sie sind als Menschen des Randes erkennbar, auf den Straßen, im Bahnhof, in den Plattenbauten und sozialen Brennpunkten. Die Personen auf den Plakaten 2009 sind Menschen, die in prekären Situationen leben, bereits heute und schon über längere Zeit.
Barbara Fank-Landkammer
Lesen Sie mehr dazu auf der Homepage zur Kampagne:
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RESPEKT
Foto: M. Lahrmann Alles andere kommt mir nicht in die Tüte Obdachlose tragen ihr Hab und Gut mit sich. Man erkennt sie an ihren Tragetüten (natürlich ist das zum Teil auch ein Klischee, gerade deswegen funktioniert es als Bild in einer Kampagne). Die Caritas in NRW produziert zur Jahreskampagne 2009 Papiertüten. Der Aufdruck fordert: „Respekt“ für den Träger der Tüte. Und mit einem Augenzwinkern: „Alles andere kommt mir nicht in die Tüte“. Wer mehr wissen will, kann die aufgedruckte Internetadresse (www.Soziale-Manieren.de) nutzen, um sich zu informieren. Bezug: ab Februar über die Diözesan-Caritasverbände Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn(Pressestellen) Die Tüte kann über Tafelläden, Sozialkaufhäuser, Warenkörbe abgegeben werden. Ein Einlegeblatt bietet weiter gehende Informationen zum Jahresthema. Die Tüte kann aufgestellt präsentiert werden und so für interessante Bildmotive bei Veranstaltungen, Pressegesprächen etc. genutzt werden.

Worum geht es? Eben darum: Menschen am Rande brauchen nicht nur Nahrung, ein Dach über dem Kopf, die notwendige medizinische Versorgung. Menschen am Rande brauchen Menschen, mit denen sie reden können. Menschen, die zuhören, nicht sofort verurteilen oder sich abwenden. Menschen am Rande haben eine unverrückbare Würde und ein Recht auf gesellschaftliche Teilhabe.
Wir begegnen ihnen mit Respekt.












