Interview

An der Seite der Armen

Hoffnung ist das Allerwichtigste

Porträt: Branko Wositsch auf einer EinkaufsstraßeBranko Wositsch ist getragen durch seine Spiritualität.Caritas für das Bistum Essen

Caritas in NRW Sie haben eine spirituelle Sicht auf die Klienten?

Branko Wositsch: Im Laufe der Zeit hat sich mein Fokus auch auf die emotionale bzw. auf die spirituelle Seite gerichtet, weil ich in meiner Arbeit sehe, dass die Menschen für ihr Leben einen tieferen Sinn brauchen. Wenn ich ein Suchtmittel ersetzen möchte, brauche ich eine Alternative. Und diese Alternative muss nicht unbedingt etwas Materielles, ein neuer Beruf, eine neue Familie oder ein anderes, weniger schlimmes Suchtmittel sein, sondern eine veränderte Haltung.

Caritas in NRW: Papst Franziskus hat gesagt: "Wir wollen eine Kirche der Armen sein, und wir müssen an die Ränder gehen." Was bedeutet das konkret für Sie?

Branko Wositsch: Der heilige Franziskus sagte: "Brüder, solange wir Zeit haben: Lasst uns Gutes tun!" Das heißt für mich: nicht aufhören, zu suchen, zu helfen, zu arbeiten, seine Möglichkeiten einzubringen. Wenn es auch darum geht: Welche Talente hat Gott mir geschenkt, und was kann ich damit anfangen? Irgendwann habe ich festgestellt: Meine Talente sind, Menschen zu finden, die Hilfe brauchen, und für diese da zu sein. Eben auch für die da zu sein, für die man nicht unbedingt da sein kann, weil es nicht die passenden Angebote gibt bzw. weil die Angebote nicht refinanziert werden. Und diese Haltung habe ich versucht hier im Suchthilfezentrum zu integrieren. Wir helfen auch denen und sind auch für die da, die nicht "wirtschaftlich" sind.

Caritas in NRW: Menschen, die am Rande stehen, kommen zu Ihnen zu Besuch - kommt es vor, dass Sie denen auch schon mal von Gott erzählen?

Branko Wositsch: Oftmals sind es Menschen, die sehr alleine sind und sich fragen: "Ich weiß nicht, mit wem ich reden soll. Ich weiß nicht, wem ich vertrauen kann. Ich weiß nicht, wer mir Halt gibt." Da versuche ich, das Gespräch auch auf Gott zu bringen und darüber zu sprechen, sofern es mein Gegenüber möchte. Hoffnung ist in dem Bereich, in dem ich arbeite, oft das Allerwichtigste. Denn ich brauche die Hoffnung auf Veränderung. So oft höre ich Sätze wie "Keiner glaubt an mich" und "Keiner vertraut mir". Diesen Menschen sage ich: "Doch, jemand glaubt an dich! Und jemand ist da, der dich durch diese Stunden begleitet. Er ist zwar nicht erkennbar, aber er ist da, spürbar da!"

Die Fragen stellte Christoph Grätz.

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