Interview

Mitten rein in den Alltag

Zum Gespräch auf dem Sofa

Hubertus Böttcher, Christian Stockmann und ein Bürger sitzen an einer Straße auf einem roten Sofa"Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit sind Werte, die unsere Gesellschaft ausmachen und prägen. Sie sind auch viel stärker als jede Provokation und Spaltung", sagt Christian Stockmann (l.), Sozialvorstand des Caritasverbandes Arnsberg-Sundern. Gemeinsam mit Dechant Hubertus Böttcher (r.) geht er in die Öffentlichkeit.Boris Golz

Caritas in NRW: Herr Stockmann, was haben Sie mit dem Sofa in der Öffentlichkeit gemacht?

Christian Stockmann: Wir haben das Sofa an einer ganz prominenten Stelle in Arnsberg vor dem Verwaltungsgericht aufgestellt, wo wirklich viel Laufpublikum vorbeikommt. Dechant Propst Hubertus Böttcher und ich wollten mit vielen Menschen ins Gespräch kommen, die man sonst nicht trifft. Wir haben uns auf das Sofa gesetzt und erst einmal nur freundlich geguckt.

Caritas in NRW: Wie haben die Menschen reagiert?

Christian Stockmann: Viele Autofahrer haben das Fenster runtergelassen und uns zugerufen: "Klasse Aktion", gewunken oder den Daumen hochgehalten. Andere Menschen sind gezielt zu uns gekommen. Vier Damen mit Rollator hatten sich verabredet, um mit uns über Erfahrungen zu sprechen, wie man als alter Mensch in Arnsberg wohnen kann. Ein Mann hat uns von seiner schweren Krankheit erzählt. Er hatte Krebs im späten Stadium, war aber wirklich noch ein lebenslustiger Mensch. Eine alleinerziehende Mutter kam mit ihrem Kind vorbei und hat erzählt, wie sie wieder ins Arbeitsleben zurückwollte, aber nicht so einfach konnte. Insgesamt ist die Aktion richtig gut angekommen, im Laufe eines Vormittags haben wir mit 15 Menschen intensiver gesprochen.

Caritas in NRW: Gab es Menschen, die die Caritas kritisiert haben - zum Beispiel wegen ihrer Hilfe für Flüchtlinge?

Christian Stockmann: Nein. Vielleicht weil noch eine euphorische Stimmung der Willkommenskultur herrschte. Thematisiert wurde aber, dass die verfasste Kirche durch die Fusion zu Großpfarreien sich von den Menschen verabschiedet. Und dass Caritas aufpassen muss, eben immer noch ein katholischer Akteur zu sein, der sich für die Menschen einsetzt, und nicht nur ein großer Sozialkonzern.

Hubertus Böttcher und Christian Stockmann sitzen auf einem roten Sofa und sprechen mit vier älteren Frauen, die auf ihren Rollatoren Platz genommen habenVier Damen mit Rollator wollten darüber reden, wie man als alter Mensch in Arnsberg wohnen kann.Boris Golz

Caritas in NRW: Es steht ja der Wahlkampf vor der Tür. Werden Sie mit dieser Aktion weitermachen?

Christian Stockmann: Ja, wir werden weitermachen. Wir wollen immer quartalsweise als Caritas und Pastoral an unterschiedlichen Orten präsent sein für die Menschen. Zur Landtagswahl werden wir auf die Politiker zugehen und sie zu einem Gespräch einladen.

Caritas in NRW: Öffentlich auf dem Sofa?

Christian Stockmann: Vielleicht stellen wir das Sofa in eine Förderschule, weil das Land für Inklusion verantwortlich ist. Damit die Kandidaten der Parteien wirklich erleben und spüren, welche Kinder, welche Jugendlichen in einer Förderschule sind. Damit sich die Politiker nicht nur am Schreibtisch Gedanken machen, sondern auch wirklich praktische Erfahrung haben. Das Gleiche in der Pflege, wir werden Politiker in Sozialstationen einladen, die mit auf Touren fahren, um zu erleben, wie hart der Alltag in der ambulanten Pflege ist.

Caritas in NRW: Was machen Sie, wenn die AfD kommt?

Christian Stockmann: Auch mit der AfD werden wir sprechen, vorausgesetzt, unsere Ansprechpartner haben sich bisher nicht respektlos oder abwertend gegenüber anderen Menschen geäußert. Wir wollen wirklich mit ihnen im Gespräch überlegen, was das Richtige für die Menschen ist und dass es nicht um Polemik, Provokation oder Fake-News geht.

Das Interview führte Markus Lahrmann.

Christian Stockmann ist Sozialvorstand des Caritas-Verbandes Arnsberg-Sundern.

www.caritas-arnsberg.de