Interview

Wohnungslosenhilfe

"Der Wohnraumbedarf ist immens groß"

Porträt: Andreas SellnerAndreas Sellner leitet beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln die Abteilung Gefährdetenhilfe.Markus Lahrmann

Caritas in NRW: Gibt es in Nordrhein-Westfalen genügend adäquate Hilfsangebote für Obdach­lose und von Wohnungslosigkeit bedrohte ­Menschen?

Andreas Sellner: Im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern sind hier die Hilfen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten - wie sie im Gesetz ja bezeichnet werden - sehr differenziert und vielfältig. Das fängt bei der Notversorgung/Notunterbringung an, umfasst ambulante Fachkontakte und Fachberatungsstellen, dazu sogenannte Tagesaufenthalte, also sehr niedrigschwellige Angebote in Kommunen, Städten, auch in Landkreisen. Wer hier in Not gerät, muss nicht umherziehen, es gibt immer örtliche Hilfeangebote. Im Weiteren werden auch Dinge offeriert wie eben etwa eine Wohnung oder betreutes Wohnen oder Unterstützung, je nachdem welchen Begleitungs- und Betreuungsbedarf diese Menschen haben oder wünschen. Grenzen liegen eher in der Persönlichkeit des Hilfsbedürftigen: wenn einer sagt: Ich will keine Beratung, nur ′ne Wohnung, am besten noch eine Freundin mit Geld oder einfach nur genug Geld und einen tollen, gut bezahlten Job.

Caritas in NRW: Sozialarbeit ist keine Wunscherfüllung?

Andreas Sellner: Die Hilfe muss zur Lebenslage passen. Ein Beispiel: Da ist einer, 55 Jahre alt, dem Alkohol sehr zugetan, er hat eine Scheidung hinter sich und seit Längerem den Arbeitsplatz verloren, vielleicht eine Ausbildung in einem Beruf, den es nicht mehr gibt, oder er hat als gelernter Bäcker eine Mehlallergie: Was kann man ihm anbieten? Eine Umschulung - oder ist er dafür zu alt? Wenn doch, in welchen Beruf? Darüber muss der Sozialarbeiter mit ihm ins Gespräch kommen. Wie kann er ihm helfen, welche Angebote kann er ihm machen, bzw. an wen kann er ihn vermitteln? Neben Wohnungssuche, Aufbau von sozialen Kontakten ist immer der Frage nachzugehen: Was ist für den einzelnen Wohnungslosen attraktiv, und was kann er andererseits auch annehmen, um ein erneutes Scheitern zu verhindern, ihn nicht zu überfordern, was eventuell ein neues Abgleiten in ein Leben in Wohnungslosigkeit, in besondere soziale Schwierigkeiten zur Folge hätte?

Caritas in NRW: Was funktioniert gut in diesem ­Angebotsportfolio der Hilfen?

Andreas Sellner: Gut läuft die Erstversorgung, die aufsuchende soziale Arbeit für Menschen auf der Straße. Es existiert auch ein sehr differenziertes Hilfeangebot von unterschiedlichsten Wohnmöglichkeiten, zum Beispiel für junge Wohnungslose, für Wohnungslose, die psychisch krank oder suchtkrank sind, für Frauen oder für Menschen, bei denen noch Klärungsbedarf besteht. Bei älteren Wohnungslosen gibt es Möglichkeiten für eine dauerhafte Wohnversorgung zum Beispiel in einer Wohngemeinschaft oder gar in einem Altersheim. Ziel ist es, die besonderen sozialen Schwierigkeiten zu überwinden, damit der Mensch irgendwann wieder in der Lage ist, selbstständig, eigenverantwortlich zu leben - soziale Teilhabe ermöglichen. Unser großes Problem in der Wohnungslosenhilfe ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Diese guten Einrichtungen, dieses gute Versorgungssystem, das die Menschen auf ein selbstständiges Leben vorbereitet, ertüchtigt, läuft voll, d. h. aufgrund des Mangels an bezahlbarem Wohnraum kann keiner ausziehen, und sie blockieren so die vorhandenen Plätze für andere der Hilfe Bedürftige. Die Wartelisten werden immer länger.

Caritas in NRW: Worauf führen Sie diesen Mangel zurück?

Andreas Sellner: Immer mehr preiswerte Wohnungen, oft öffentlich geförderte Wohnungen, fallen aus der Belegungsbindung. Kommunen sind auch hingegangen und haben ihre alten Wohnungsbestände verkauft und damit ihren Haushalt saniert. Die werden jetzt an andere Einkommensgruppen vermietet und sind endgültig verloren. Auf der anderen Seite hat die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum sehr zugenommen, auch durch den Zuzug von Flüchtlingen und von Zuwanderern aus Südosteuropa. Alle zusammen sind natürlich Konkurrenten auf dem Markt der Wohnungen für einkommensschwache Personengruppen.

Ein Obdachloser befindet sich auf einer Wiese neben einem Baum und sitzt auf einem blauen Müllsack. Um ihn herum liegen weitere Besitztümer des Obdachlosen.© Andre Zelck

Caritas in NRW: Ist das ein Vorwurf an die Politik?

Andreas Sellner: Ja. Das ist ein Vorwurf an die Politik, das ist ein Vorwurf an die Gesamtgesellschaft. Die Möglichkeiten, hier in Nordrhein-Westfalen im öffentlich geförderten Wohnungsbau zu investieren, gab es schon. Doch die Anreize waren nicht sonderlich gut. Bei den niedrigen Marktzinsen haben Investoren eben lieber frei finanzierte Wohnungen gebaut, die sie ja auch alle immer mehr und immer teurer vermietet kriegen. Der Wohnraumbedarf ist immens groß. Natürlich ist auch der Flächenverbrauch gewachsen: Wo Paare heute auf 150 Quadratmetern zu zweit wohnen, da hat früher eine ganze Familie mit mehreren Kindern gewohnt. Man hat es früh versäumt, kleinere Wohnungen zu bauen.

Caritas in NRW: Was steht politisch auf der Agenda des Landes­sozial­ministers, der den Obdachlosen- und Wohnungs­losenbericht verantwortet?

Andreas Sellner: Dringend ist Wohnraumversorgung für Menschen, die sich in einer prekären Lage befinden oder übergangsweise in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, in kommunalen Unterkünften oder auf der Straße leben. Alle, die gezählt worden sind, brauchen absehbar eine Wohnung, um aus dem Versorgungssystem herauszukommen. Genau wie die anerkannten oder geduldeten Flüchtlinge, die nicht in ihre Heimatländer zurückkönnen. Dazu hat die Landesregierung mit ihrem Wohnraumförderprogramm 2014-2017 verschiedene Stellschrauben verbessert, um schneller zu bauen und auch Investoren Anreize zu bieten, in öffentlich geförderten Wohnraum zu investieren. Um auf diesem umkämpften Wohnungsmarktsegment weiterer Konkurrenz entgegenzutreten, finden sich in dem Wohnraumförderprogramm weitere Unterstützungsmöglichkeiten zum Bau von Studentenwohnheimen sowie Wohnungen für Flüchtlinge. Offen bleibt hier noch die Grundstücksvergabe - ein Problem insbesondere in den Städten.

Caritas in NRW: Welchen Beitrag können da Kirche/Caritas bzw. die Freie Wohlfahrtspflege leisten?

Ein Mann blickt vom Balkon einer Wohnanlage runterUnterbringung von Wohnungslosen in einer Notunterkunft.© André Zelck

Andreas Sellner: In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, für unsere ehemals wohnungslosen Frauen und Männer passgenauen, entsprechenden Wohnraum zu finden bzw. ihn anzumieten. Vor diesem Hintergrund haben einige Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und auch der Wohnungslosenhilfe immer wieder Überlegungen angestellt, wie sie selbst dauerhafte Wohnmöglichkeiten für diese Zielgruppen schaffen können. Da passiert inzwischen manches sogar zum Ankauf solcher Wohnobjekte die dann ein selbstständiges Wohnen für Menschen aus diesen Zielgruppen ermöglichen. Der Ankauf solcher Wohnobjekte oder die Herrichtung eigener Immobilien für diese besonders am Wohnungsmarkt ausgegrenzten Personengruppen ist die beste Lösung eines immer weiter zunehmenden Problems. Viele Träger der Caritas, die zusätzlichen Wohnraum für obdachlose Menschen anbieten möchten, sind seit vielen Jahren in diesem Metier sehr engagiert. Zum Teil verfügen sie bereits über Liegenschaften, die allerdings noch bedarfsgerecht hergerichtet werden müssen. Andere planen, günstige noch umzubauende Objekte zu erwerben, oder bauen selbst auf extra für diesen Zweck erworbenen Grundstücken. Das Wohnraumförderprogramm 2014-2017 des Landes NRW erleichtert diese Vorhaben und flankiert sie durch günstige Darlehen, Tilgungsnachlässe und andere Anreize zur Schaffung von zusätzlichem, preiswertem, bezahlbarem Wohnraum im Land NRW.

Um hier noch einen zusätzlichen Anreiz für caritative Verbände zu schaffen, bietet zum Beispiel das Erzbistum Köln aktuell sogenannte "Eigenkapitalersatzmittel" als Zuschüsse (in nicht unbeträchtlicher Höhe) für solche Vorhaben an, und zwar gezielt mit der Zweckbindung zur Wohnraumbeschaffung für ehemals wohnungslose Frauen und Männer.

Caritas in NRW: Vor welchen fachlichen Herausforderungen steht die Wohnungslosenhilfe?

Andreas Sellner: Neben der Verbesserung der Wohnversorgung ehemals Wohnungsloser ist sicher noch einmal ein verstärktes ­Engagement auf die Prävention zu richten, was nämlich die Vermeidung des Wohnungsverlustes betrifft. Hier ist noch Luft nach oben, insbesondere wenn man weiß, dass jede noch vermietete bezahlbare Wohnung bei Mieterwechsel endgültig für unseren Personenkreis als preiswerter Wohnraum verloren ist.

Und wir wissen aus regelmäßigen Befragungen, dass etwa die Hälfte derjenigen Klienten, die einmal im System waren, erneut auftauchen. Unsere große Herausforderung ist es, dieses scheinbare Naturgesetz mal zu durchbrechen. Wir müssen die Wiederauftritte weiter senken. Dazu muss man noch genauer hinhören und herausfinden: Was wollen die Menschen, was brauchen die Wohnungslosen? Damit wir als Gesellschaft in den unterschiedlichen Gruppen und Kreisen passgenauere integrierende Hilfen anbieten können. Nichts Exotisches, sondern Normalität in unseren Kirchengemeinden. Wir dürfen keine Angst vor den Menschen haben, die in Not geraten sind. Die Abstiegsbedrohten bis in die Mittelschicht hinein haben ja immer die Sorge, dass sie als Nächstes dran sind. Aber Angst blockiert die Solidarität. Man kann ruhig den Betroffenen zutrauen, ihre Schwierigkeiten überwinden zu können, und es mutig mit ihnen angehen, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen.

Caritas in NRW: Gibt es eigentlich den typischen Obdachlosen?

Andreas Sellner: Den gibt es nicht. Das ist immer eine ganz bunte facettenreiche Abstiegskarriere, die ein Obdachloser oder von Wohnungslosigkeit bedrohter Mensch hat. Die Probleme hinter den Geschichten sind so verschieden wie Menschen verschieden sind. Manchmal bündeln sich bei einem einzigen alle Probleme, die sich sonst auf eine ganze Generation verteilen.

Caritas in NRW: Steigt die Zahl der Frauen an?

Andreas Sellner: Früher lag in der offiziellen Statistik der Anteil der Frauen an den Wohnungslosen nur zwei bis drei Prozent. Im Moment stagniert die Zahl auf dem Niveau von zwischen 15 und 20 Prozent. Frauen sind jetzt wesentlich mehr ins Hellfeld geraten, weil es endlich auch mehr verschiedene Hilfeangebote speziell für Frauen gibt. Es müssen nicht mehr so viele in irgendwelchen Scheinhilfen ihr Dasein fristen: "Couching" bis sie doch auf die Straße fliegen und sich dann dort verdingen. Frauen greifen auf  andere Überlebensstrategien zurück.

Caritas in NRW: Also ist die Zunahme vor allem größerer Aufmerksamkeit geschuldet??

Andreas Sellner: Ja und nein? Frauen mit psychischen Erkrankung, die Probleme haben und dann auch in Einrichtungen kaum zu halten sind, fallen auf. Man sieht diese - bildlich ausgedrückt - "Tütentanten" gerade in städtischen Ballungsgebieten.

Caritas in NRW: Was sind denn "Tütentanten"?

Andreas Sellner: "Tütentanten" sind die, die ihr ganzes Hab und Gut mit sich tragen, manchmal mit mehreren Mänteln, dazu noch ein paar Tüten, manchmal ein Einkaufswagen, der über und über bepackt ist. Die schieben durch die Stadt, parken irgendwo an einer Ecke und lassen sich nieder, betteln nicht unbedingt, sondern sitzen einfach nur so rum und sprechen mit sich selbst. Das sind die Menschen, die auch sehr schwierig anzusprechen sind.

Andreas Sellner sitzt in seinem Büro an seinem vollgepackten Schreibtisch und blickt auf einen Zettel, den er in den Händen hältMarkus Lahrmann

Caritas in NRW: Warum es für manche so schwer, aus dem Leben auf der Straße auszusteigen?

Andreas Sellner: Das Leben auf der Straße ist sehr ambivalent: Man ist ständig der Öffentlichkeit ausgesetzt, es gibt kaum eine Privatheit. Manchen bietet das aber auch eine Art von Sicherheit, die in der Gewöhnung liegen kann. Wenn ich mit Wohnungslosen ins Gespräch komme, dann gibt es oft viele Gründe, warum sie ihre Situation jetzt so gewählt haben und was nach ihrer eigenen Auffassung dazu geführt hat, dass die Situation jetzt so ist wie sie ist. Weil das andere eben nicht klappt, weil sie nicht in der Lage sind, es in vier Wänden auszuhalten. Manche sagen offen, ‚immer wenn ich zwischen Mauern bin, raste ich aus, dann kann ich mich nur volllaufen lassen, dann bin ich unerträglich für die Nachbarschaft." Um solchen Konflikten auszuweichen, oder gar nicht erst einzugehen, wählt so jemand lieber ein anderes Leben, eben auf der Straße mit dem Gefühl, eigenverantwortlich sein Leben bestreiten zu können.

Der Lebensrhythmus im Freien suggeriert eine Unabhängigkeit, wenn es die Witterung zulässt. Wird es kälter, verzichtet der Mensch manchmal dann doch wieder lieber darauf und geht mehr oder weniger freiwillig in eine Einrichtung der Wohnungslosenhilfe.

Caritas in NRW: Müssen Wohnungslose bezahlen, wenn sie in der Notschlafstelle übernachten wollen? Das hört man ja oft von Bettlern: "Ich brauche einen Euro für die Notschlafstelle."

Andreas Sellner: Nach dem Ordnungsbehördengesetz gibt es die Verpflichtung für jede Kommune, jeden, der obdachlos ist, unterzubringen - unabhängig davon, ob er Geld hat oder nicht. Hinzu kommt: auch der Obdachlose hat einen Anspruch auf seinen Regelsatz von 404 Euro, den er sich auch tageweise auszahlen lassen kann.

Caritas in NRW: Wie kommt er daran?

Andreas Sellner: Es gibt Auszahlungsstellen bei den Jobcentern oder bei den Sozialämtern. Manchmal wird die Auszahlung an die Kontakt- und Fachberatungsstellen der freien Träger delegiert, weil diese andere Öffnungszeiten haben und die Leute anders erreichen.

Ein Hut mit ein paar Münzen vor einem Menschen auf der StrasseDas Leben auf der Strasse ist hart. Wer gibt, gibt freiwillig - und manchmal ist ein gutes Wort, ein Gespräch auf Augenhöhe ein Schatz. Es kann sein, dasss man sich dazu bücken muss.© André Zelck

Caritas in NRW: Soll der Normalbürger bettelnden Menschen Geld geben oder Essen kaufen, damit das Geld nicht sofort in Alkohol oder Drogen fließt oder wie soll man damit umgehen?

Andreas Sellner: Das kann man keinem vorschreiben. Jeder soll das geben, was er kann. Es kann ein Akt der Barmherzigkeit sein, es kann auch ein Freikaufen sein, um sich dem Menschen nicht weiter auszusetzen. Wenn man weiß, wie viel professionelle Hilfen es gibt, wie breit das Hilfeangebot gestreut ist und wie viel Steuermittel hineinfließen, kann man sich dem auch mit guten Gründen verweigern. Grundsätzlich muss ausgehalten werden, dass diese Art von Bedürftigkeit zum urbanen Leben unserer Gesellschaft dazugehört. Es ist in unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung erlaubt, sich in der Öffentlichkeit aufzuhalten, und es gibt keine Bettelverbote - es sei denn, jemand bettelt aggressiv. Manchmal ist auch etwas anderes wichtiger: dann geht es gar nicht nur um Geld, sondern um ein Gespräch. Und es könnte ja auch sein, dass sich im Gespräch noch etwas anderes ergibt, vielleicht ein Tipp für eine Wohnung oder Arbeit oder man jemanden weiß, der einem hilft.

Caritas in NRW: Kommunikation hebt Ausgrenzung auf?

Andreas Sellner: Ich finde es hochanerkennenswert, wenn Menschen das können, nämlich auf Augenhöhe einfach in ein Gespräch kommen. Das ist oft sehr entlastend für diejenigen, die da verschämt am Boden sitzen. Auf einmal geraten sie in Kontakt mit der Umwelt, vor der sie sich so schämen aufgrund ihrer Situation. Dann kommen sie in eine ganz andere Rolle als Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Caritas in NRW: Ein Akt der Barmherzigkeit?

Andreas Sellner: Jesus Christus hat uns das vorgemacht. Er überzieht die Bedürftigen nicht mit seiner Hilfe, er fragt, was willst du, was ich dir tue? Er ist sehr achtsam. Ich muss erst einmal wissen, was die Menschen selbst sich wünschen, es erfragen - das ist barmherzige Zuwendung.

Caritas in NRW: Wie versucht Caritas Barmherzigkeit umzusetzen?

Andreas Sellner: Es gehört zu unseren unverrückbaren Grundsätzen, dass wir jeden Menschen als  Ebenbild Gottes sehen, als Teil der Schöpfung behandeln, ohne Ansehen, ohne Vorbehalte, mit den Krankheiten, mit allen Mühseligkeiten und Schwierigkeiten. Die können wir ja nicht ausblenden. Also gilt es - und das ist auch der fachliche Ansatz - zu sehen, welche Möglichkeiten, welche Chancen, welche Ressourcen hat der Mensch, auch wenn er auf der Straße sitzt. Denn dort sitzt ein Mensch, der etwas kann, der etwas konnte und der Wünsche hat. In diesem Sinne ein Mensch wie du und ich.

Das Interview führte Markus Lahrmann.



20914 Menschen in NRW waren zum Stichtag 30. Juni 2015 in Obdachlosenunterkünften untergebracht oder vorübergehend in anderen Einrichtungen oder auch bei Bekannten untergekommen.

Prävention

Mit seinem Aktionsprogramm gegen Wohnungslosigkeit unterstützt das NRW-Sozialministerium die für die Unterbringung wohnungsloser Menschen zuständigen Kommunen sowie freie Träger der Wohnungslosenhilfe unter anderem durch die Förderung von Modellprojekten. Hierfür stehen jährlich 1,12 Millionen Euro zur Verfügung.

Ein neues Modellprojekt zur Prävention ist die zentrale Fachstelle zur präventiven Wohnungsnotfallhilfe im Rhein-Sieg-Kreis, die der SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis e. V.) betreibt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen bei Mietschulden, Kündigungen, Räumungs­klagen und Zwangsräumungen durch Beratung und Begleitung der Betroffenen. Die jewei­ligen Kommunen und Gemeinden reichen eingehende Räumungsklagen an die Fachstelle weiter, die dann umgehend den Kontakt zu den Betroffenen sucht, um einen Wohnungsverlust nach Möglichkeit noch zu vermeiden.



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