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Reportage

Ländlicher Raum

Fahrdienst zum Supermarkt

Ein Mann u. eine Frau stehen vor der geöffneten Kofferraumtür eines Kleintransporters, in dem Waren geladen sind. Ein weiterer Mann steht daneben und hebt einen gefüllten Korb aus einem Einkaufswagen.Erwin Mungen (r.), einer von drei ehrenamtlichen Fahrern des Einkaufsfahrdienstes Blankenheim des Caritasverbandes für die Region Eifel, hebt nach dem Einkauf der 75-jährigen Renate Balkhausen den Einkaufskorb in den Kleinbus. Der 84-jährige Rudolf Jordans (l.) nutzt den Einkaufsservice auch gerne.Caritasverband für das Bistum Aachen

Erwin Mungen ist ein Kavalier. Bevor Renate Balkhausen auf dem Rewe-Parkplatz in den Kleinbus steigt, holt der 66-Jährige eine kleine Trittleiter aus dem Bus und stellt sie vor die Tür. Das gehört zum Service beim Einkaufsfahrdienst des Caritasverbandes für die Region Eifel in Blankenheim. So wird das Einsteigen für die 75-Jährige viel einfacher. Dann schließt Erwin Mungen die Schiebetür zum Fahrgastraum, setzt sich hinter das Steuer und fährt los. Drei Senioren haben heute mithilfe des Einkaufsfahrdienstes ihre Besorgungen in der Stadt gemacht. Ohne diesen Service - den Kleinbus fahren Ehrenamtler wie Erwin Mungen - hätten sie kaum Gelegenheit, ihre Einkäufe zu erledigen.

Blankenheim ist ländlich. Wer im Ortskern der rund 8400 Einwohner zählenden Gemeinde lebt und mobil ist, kann sich bei Einkäufen meist noch selbst helfen. Anders sieht es bei Menschen wie Renate Balkhausen aus. Sie wohnt in Ahrdorf, einem Ortsteil von Blankenheim. Das Dorf an der oberen Ahr ist für sein alljährliches Seifenkistenrennen im August bekannt. Geschäfte gibt es dort nicht. Zwar hält in dem Dorf einmal in der Woche ein kleiner rollender Supermarkt. Aber der kann nicht das Angebot vorhalten, das in den Einkaufsmärkten im Zentrum von Blankenheim zu finden ist. Die Rentnerin, die alleinstehend ist und kein Auto hat, ist darauf angewiesen, dass sie jemand mitnimmt, wenn sie Einkäufe erledigen will. Sie vertraut auf den Service der Caritas.

Ende 2013 hatten die Fachbereiche Gesundheit und Pflege und Gemeindecaritas und Ehrenamt des Caritasverbandes für die Region Eifel die Idee, zunächst in Schleiden einen Einkaufsservice anzubieten. Die Haupt- und Ehrenamtler hatten festgestellt, dass viele Menschen in der ländlichen Region, insbesondere in den kleinen, abgelegenen Dörfern der Eifel, einen erschwerten Zugang zu Geschäften, Banken oder Supermärkten haben. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die keinen Führerschein haben, die körperlich eingeschränkt oder erkrankt sind und nicht mehr selbstständig fahren können. "Wir haben durch unsere langjährige Erfahrung in den Caritas-Pflegestationen festgestellt, dass ältere Menschen nicht immer nur Pflege benötigen, sondern dass es auch zunehmend an der für uns selbstverständlichen Versorgung mit Lebensmitteln, Haushaltswaren und Ähnlichem mangelt", erläutert Elisabeth Nosbers, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Pflege. Also suchte die Caritas Ehrenamtler, die mit einem Kleinbus zu zuvor festgelegten Terminen die Menschen zu Hause abholen und sie zum Einkaufen in die Schleidener Innenstadt fahren und sie anschließend wieder nach Hause bringen. Weil das Projekt so erfolgreich war, entschloss sich der Caritasverband für die Region Eifel im vergangenen Sommer, diesen Einkaufsfahrdienst auch in der Gemeinde Blankenheim anzubieten.

Ein älterer Mann hilft einer älteren Frau beim Einstieg in einen Kleintransporter, vor dem eine Trittleiter als Einstiegshilfe stehtCaritasverband für das Bistum Aachen

Dort sind Erwin Mungen, Günter Vogt und Helmut Prämassing die ehrenamtlichen Fahrer. Immer dienstags am Spätvormittag ist der Kleinbus des regionalen Caritasverbandes unterwegs zu denjenigen, die sich bis montags angemeldet haben, weil sie Besorgungen zu erledigen haben. Auch nach Ahrdorf fährt der Bus, wo Renate Balkhausen wohnt. Vor allem Pflegemittel, erzählt die Rentnerin, kaufe sie bei den Einkaufstouren mit dem Caritas-Bus. "Und die Fahrer sind so nett und tragen einem die Einkäufe gleich ins Haus", sagt sie. Da bezahlt sie gerne die fünf Euro für diesen Service an die Caritas. Diese Hilfsbereitschaft hebt auch der 84-jährige Rudolf Jordans hervor. Ohne dieses Angebot wären viele alte Menschen, die kein Auto haben, aufgeschmissen, wenn sie etwa Getränkekisten einkaufen. "Den Kasten Wasser, den können wir uns ja nicht mal eben so um den Hals hängen", sagt er. Doch der Service ist nicht nur etwas für alte Menschen, die weitab vom Ortskern wohnen. Die 80-jährige Maria Zapf* wohnt nicht weit von den Supermärkten in Blankenheim entfernt, die der Caritas-Bus anfährt. Den Weg zu den Geschäften könnte sie eigentlich zu Fuß bewältigen, wenn es für sie nicht so beschwerlich wäre. "Ich kann die Strecke einfach nicht mehr laufen", beklagt sie. Früher nahm sie für solche Wege ihr Auto. Das ging kaputt, ein neues gibt der Geldbeutel nicht her. Da kommt ihr das Angebot des Caritasverbandes nun gerade recht.

Der Caritas-Bus ist geräumig. Da passen nicht nur die diversen Einkäufe der Senioren hinein. Auch alte Menschen, die auf Rollatoren angewiesen sind, können diese Gehhilfen mühelos mitnehmen.

* Name geändert