Düsseldorf - Anlässlich des nationalen Gedenktages für verstorbene drogengebrauchende Menschen am 21. Juli fordert die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Sucht (KLAGS) in NRW eine kurzfristige Ausweitung der niedrigschwelligen Suchthilfe und den Ausbau der Suchtprävention. "Die Zahl der Drogentoten in Nordrhein-Westfalen ist weiterhin erschreckend hoch; da müssen wir dringen gegensteuern" sagt der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Ralf Nolte.
Mit 703 Drogentoten liege NRW nach den jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums bei den absoluten Zahlen für 2022 mit weitem Abstand an der Spitze der Bundesländer, so Nolte. Deswegen müssten möglichst schnell Angebote der Suchthilfe ausgebaut werden. "NRW braucht mehr Kontaktläden und Streetwork, sowie Maßnahmen zur Schadenminderung, wie den Ausbau von Drogenkonsumräumen", sagt Nolte. Ergänzt werden müsse diese Sozialarbeit mit Angeboten zum Drug-Checking, Substitutionsbehandlungen, aber auch Überlebenshilfen für wohnungslose Drogenabhängige. "Alles das sind notwendige und geeignete Maßnahmen, um Menschen früher in Kontakt mit dem Hilfesystem zu bringen und ihnen so auch einen früheren Ausstieg zu ermöglichen", sagt Nolte.
Besorgt sei er über den kurzfristigen steilen Trend bei den Drogenopfern, sagt der KLAGS-Vorsitzende. So sei im Jahr 2021 mit einem Anstieg um 73 Prozent auf 693 Drogentote der höchste Stand seit 30 Jahren erreicht worden. Wie aus den Lagebildern des Landeskriminalamtes hervorgehe, habe sich binnen vier Jahren die Zahl der Drogentoten mehr als verdreifacht.
Gründe für hierfür sind nach Ansicht von Experten vielfältig. "Dazu gehört der Konsum von immer mehr tödlichen Drogencocktails (Mischkonsum /Polyvalente Intoxikationen)", sagt die Suchtexpertin Angelika Schels-Bernards vom Diözesan-Caritasverband Köln. Aber auch Langzeitkonsumenten, die an den Spätfolgen ihres Drogenkonsums versterben, würden in der Statistik mitgezählt sowie tödliche Unfälle im Kontext von Substanzkonsum, der Tod durch Überdosierung, die Selbsttötung aus Verzweiflung über die Lebensumstände beispielsweise unter Einwirkung von Entzugserscheinungen.
"Neben dem Substanzkonsum müssen auch die Lebensumstände suchtkranker Menschen mehr in den Blick genommen werden", sagt Schels-Bernards. "So weisen etwa Opiodkonsumenten, die den größten Anteil der Verstorbenen ausmachen, häufig körperliche und psychische Erkrankungen auf." Sie seien häufig von Arbeits- und Wohnungslosigkeit, Schulden und Armut betroffen. "Zu Suchtmitteln greifen Menschen dann, wenn sie nicht in der Lage sind, die damit einhergehenden Probleme adäquat zu bewältigen. Treten dann noch Krisen, wie die der letzten Jahre hinzu, verschärft dies das Erleben, Probleme nicht bewältigen zu können und so geraten Abhängigkeitserkrankte in eine Abwärtsspirale, aus der sie ohne professionelle Hilfe kaum herauskönnen", erklärt die Suchtexpertin.
Das effizienteste Mittel gegen diese dramatischen Entwicklungen ist langfristig natürlich dafür zu sorgen, dass Sucht gar nicht erst entsteht. Das gilt insbesondere im Bereich der Suchtvorbeugung bei Kindern, Jugendlichen und anderen vulnerablen Zielgruppen. Es gibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den Schutz dieser Gruppen, so Schels-Bernards. Die Kürzungen im Etat des Bundesministeriums um rund 4 Mio. Euro betreffen die "Aufklärungsmaßnahmen auf dem Gebiet des Drogen- und Suchtmittelmissbrauchs" und könnten für die Bürgerinnen und Bürger dramatische Folgen haben.