Erfahrung rechnet sich

Ältere Arbeitnehmer sind aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Loyalität oft wirtschaftlicher für Unternehmen

Im Frühjahr 2002 fiel der Startschuss für die "Offensive für Ältere". Zum erste Mal hatte sich ein Trägerverbund der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen für eine EQUAL-Entwicklungspartnerschaft zusammengeschlossen, um gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft neue Wege bei der Bekämpfung von Diskriminierung Älterer auf dem Arbeitsmarkt zu gehen. Sabine Schumacher vom Diözesan-Caritasverband Köln gibt Auskunft über die Ergebnisse.

Caritas in NRW: Ältere Arbeitslose sind auf dem Arbeitsmarkt oft sehr benachteiligt, sie gelten als kaum noch vermittelbar. Wie kommt es zu der weit verbreiteten Überzeugung, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe verschlechtern?

Sabine Schumacher: Die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland beschäftigt keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr, die älter als 50 Jahre sind. So ist eine der Forderungen der Arbeitsmarktpolitik im Bund wie in den Ländern, sich auf die Integration älterer Arbeitsloser zu konzentrieren. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt zeigt jedoch: Ohne Qualifizierung bestehen kaum Chancen auf Vermittlung. Andererseits werden aufgrund der demografischen Entwicklung längere Lebensarbeitszeiten notwendig, so dass das Qualifizierungsangebot für Ältere schon bald massiv ausgeweitet werden muss.

Es gibt zwei Aspekte, die Arbeitgeber daran hindern, ältere Menschen zu beschäftigen: a) das Vorurteil, die Leistungsfähigkeit Älterer entspreche nicht der Leistungsfähigkeit Jüngerer und b) Ältere seien zu teuer.

Das Vorurteil der eingeschränkten Leistungsfähigkeit wird an gesundheitlichen Einschränkungen, höherem Krankenstand und geringerer Flexibilität, z. B. im Umgang mit modernen Technologien, festgemacht. Das erste Argument lässt sich schnell entkräften, beispielsweise indem man die Krankenstände von Älteren und Jüngeren vergleicht. Das zweite Argument ist augenscheinlich richtig, lässt sich mit einer Gegenrechnung jedoch ebenfalls entkräften, da die höheren Tarife sich aufgrund der Kompetenzen Älterer bezahlt machen.

Fazit: Alles in allem rechnet sich die Beschäftigung Älterer für einen Betrieb mindestens ebenso wie die Beschäftigung Jüngerer. Ältere sind erfahrener, bessere Strategen, loyaler und aufgrund ihrer Erfahrungen wirtschaftlicher für ein Unternehmen.

Wo liegt das spezielle Potenzial älterer Arbeitnehmer?
"Erfahrung zahlt sich aus" ist, auf einen Nenner gebracht, das Kernergebnis der "Offensive für Ältere". Durch ihre Berufs- und Lebenserfahrung sind Ältere in der Lage, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen, komplexe Problemlagen zu überschauen und eine Fülle von Strategien auf die Lösung eines Problems hin anzuwenden. Ihre Praxis und ihre Selbstsicherheit wirken in der Kombination mit Loyalität und einem höheren Maß an Ausgeglichenheit effizient auf die zu erzielenden Ergebnisse.

Welche konkreten Maßnahmen zur Qualifizierung und Vermittlung älterer Arbeitsloser hat die "Offensive für Ältere" der LAG FW NRW durchgeführt?
Drei Jahre erfolgreicher Projektarbeit liegen nun hinter uns: In sieben Modellprojekten in Borken, Düsseldorf, Hattingen, Köln, Solingen, Unna und Wesel ist es gelungen, ältere Langzeitarbeitslose zu qualifizieren und ein flexibles Fördersystem zu entwickeln. Eine beachtliche Zahl älterer Langzeitarbeitsloser wurde in Jobs vermittelt. Fünf nordrhein-westfälische Forschungsinstitute haben diese Arbeit wissenschaftlich begleitet.

Welche Ergebnisse können Sie vorweisen? Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Ein Beispiel: In der ambulanten Pflege wollen viele Arbeitgeber inzwischen ausdrücklich Ältere einstellen, weil die ein besseres Verständnis für die Kunden haben. Da konnten wir Projekt-Teilnehmer vermitteln. Auch im Handwerk, unser Beispiel ist eine Schreinerei, können ältere Arbeitnehmer bei entsprechender Qualifikation wieder Fuß fassen. So etwas sind natürlich schöne Erfolge. Übrigens wächst der Markt "Ältere für Ältere" in Bereichen wie Gesundheit und Tourismus ständig weiter. Nicht zuletzt bedingt durch die demografische Entwicklung werden wir mehr personenbezogene Dienstleistungen brauchen: in Alten- und Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.

Wir konnten passgenaue Modelle erproben und dabei wertvolle Erfahrungen bei der Qualifizierung Älterer sowie der Beratung und Unterstützung von Arbeitgebern sammeln. So entwickelten die Modellprojekte mit wissenschaftlicher Unterstützung u. a. ein zielgruppengerechtes Assessment-Konzept. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ansätzen kamen dabei die Bewertungs- und Auswahlkriterien zum Tragen, die die vielschichtigen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen Älterer in den Vordergrund stellen.

Die Fragen stellte Markus Lahrmann.

Aus "Caritas in NRW", Ausgabe 3/2005