"Achten statt Ächten"
Caritas startet Initiative für benachteiligte Jugendliche
![]() |
![]() |
![]() |
Berlin. 10. Januar 2008. Unter dem Motto „Achten statt ächten“ setzt sich der Deutsche Caritasverband (DCV) in diesem Jahr für eine veränderte Haltung benachteiligten Jugendlichen gegenüber ein. Zum Kampagnen-Auftakt am heutigen Donnerstag in Berlin machte Caritas-Präsident Peter Neher vor Journalisten deutlich: „Wir wollen für die Anliegen junger Menschen sensibilisieren, die durch ihre familiäre, soziale und die Bildungssituation benachteiligt sind.“ Nach wie vor gebe es in Deutschland einen fatalen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Bildungs- und damit auch Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen.
„Bildung, Ausbildung und Arbeit sind zentrale Elemente, um der Ausgrenzung benachteiligter Jugendlicher nachhaltig zu begegnen.“ So könne es nicht länger hingenommen werden, dass jährlich rund acht Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss verließen oder keine Ausbildungsplätzen fänden. Im November 2007 seien mehr als 345.000 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet gewesen.
Dringend erforderlich sei beispielsweise ein flächendeckendes Angebot von Schulsozialarbeit, um an Schulen in sozialen Brennpunkten oder mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund frühzeitig und nachhaltig wirken zu können. „Jeder Jugendliche muss einen Schul- und Berufsabschluss erreichen“, forderte Neher. Die Caritas nimmt sich dabei auch selbst in die Pflicht. „Wir werden in diesem Jahr unsere Anstrengungen erhöhen, schlecht oder gar nicht qualifizierten Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen.“ Die Caritas kann hier auf vielfältige Erfahrungen zurückgreifen: mehr als 15.000 junge Menschen werden in Projekten von Caritas-Bildungsträgern und in Berufsbildungswerken der Caritas qualifiziert.
Wiederholt kritisierte Neher die aktuelle Debatte zur Jugendkriminalität: „Wir brauchen keine Verschärfung des Strafrechts sondern therapeutisch geschultes Personal und eine jugendgerechte Unterbringung, um eine nachhaltige Integration dieser Jugendlichen in die Gesellschaft zu erreichen.“
Mit der diesjährigen Kampagne setzt der DCV seine Befähigungsinitiative fort, deren Ziel es ist, die Lebenschancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher zu stärken. Der Caritas-Präsident dankte der Düsseldorfer Agentur BBDO, die erneut bereit war, diese Kampagne unentgeltlich zu entwickeln und der GlücksSpirale , welche die Umsetzung finanziell unterstützt hat.
Weitere Informationen finden Sie unter www.achten-statt-aechten.de
Statement zur Eröffnung der Kampagne von Caritas-Präsident Dr. Peter Neher
Jahreskampagne 2008 des Deutschen Caritasverbandes
Achten statt ächten
Eine Initiative für benachteiligte Jugendliche
Sie hören nicht auf, sich zu bewerben, obwohl ihre Chancen 1:1000 stehen.
Sie geht wieder zur Schule, obwohl sie ihre Tochter alleine erziehen muss.
Er will sich nicht prügeln, obwohl er damit aufgewachsen ist.
So sehen Helden aus.
Die Caritas in Deutschland führt 2008 ihre Kampagne fort, in der sie Kinder und Jugendliche in den Blick nimmt, die benachteiligt sind. Machte sie sich 2007 "stark für starke Kinder", so wendet sie sich im Folgejahr den Jugendlichen zu. Diese Schwerpunktsetzung geschieht auf dem Hintergrund der Befähigungsinitiative, die von 2005 bis 2008 läuft.
Mit dem Slogan "Achten statt ächten" wirbt der Deutsche Caritasverband für eine veränderte Wahrnehmung und Haltung. Jugendliche wecken nicht per se Mitgefühl und Sympathie wie Kinder. In ihrer Suche nach eigener Identität, in ihren gelungenen und misslungenen Lebensentwürfen fordern sie Erwachsene zu einer Stellungnahme heraus. Gerade benachteiligte Jugendliche zeigen sich oft als Menschen, auf die man nicht unbedingt stolz sein kann. Sie passen sich zu wenig oder zu sehr an. Sie stehen nicht für Verlässlichkeit, sie provozieren negative Gefühle oder zumindest ein Kopfschütteln. Schnell wird das gegenwärtige Verhalten verurteilt - geächtet -, ohne dass die Lebensgeschichte der jungen Menschen wahrgenommen wird. Für sie, die in ihrer Kindheit wenig Verlässlichkeit erlebet haben, ist es eine Leistung, trotzdem nicht aufzugeben.
Drei Beispiele, die für viele stehen. Benachteiligte Jugendliche können ihr Leben bewältigen, wenn sie dazu befähigt werden. Dabei ist Befähigung nicht nur ein individueller Vorgang, obwohl tragfähige und krisenerprobte Beziehungen wesentlich sind. Befähigung zeigt sich auch in der Bereitstellung von gesellschaftlichen Chancen: Schulen, die soziale Auslese verringern und nicht festschreiben. Pfarrgemeinden, die Jugendlichen einen Freiraum geben und sich konstruktiv mit ihnen auseinandersetzen. Betriebe, die ausbilden, auch wenn die Durchschnittsnote schlecht ist. Soziale Einrichtungen, die Jugendliche begleiten und ihnen Verantwortung übertragen. Medien, die die Heldentaten des Alltags wertschätzen.
Barbara Fank-Landkammer
| Zwei Beispiele aus der Jugendhilfe: | Die Kurve gekriegt |
| Mit elf Jahren ganz allein zum Jugendamt: | "Ich will ins Heim!" |
| Hilfe beim täglichen Kampf um Pünktlichkeit: | Der dritte Versuch |
| Schüler lernen fürs Leben: | Überraschungen |
| Wie ein junger Aussiedler Karriere im Hip-Hop-Show-Dance macht: | Der Traum-Tänzer |
| Kommentar von Dr. Johannes Bernhauser: | Mit 18 hat man noch Träume ... |












