"Suchthilfe kostet Geld"
Weitere Kürzungen haben schlimme Folgen, sagt der KLAGS-Vorsitzende Diözesan-Caritasdirektor Volker Odenbach
Caritas in NRW: Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Sucht in NRW hat ein Positionspapier zur Suchthilfe herausgegeben. Was steht in diesem Papier?
Odenbach: Das Positionspapier benennt zunächst Ziele und Aufgaben der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft. Es erläutert dann ausführlich die Struktur der Suchthilfe, deren Leistungen und weist auch auf die Folgen weiterer finanzieller Kürzungen hin. Wir wollen deutlich machen, dass die Suchthilfe durch ihre Angebote dazu beiträgt, in einem erheblichen Umfang Geld zu sparen.
> Wie viele Menschen sind in NRW suchtkrank?
Es gibt in NRW drei Millionen tabakabhängige Menschen, zwei Millionen haben einen riskanten Alkoholkonsum und 550 000 sind alkoholabhängig. Rund 350 000 Personen sind abhängig von Medikamenten und 30 000 von illegalen Drogen. Die Zahlen der arbeits,- ess,- internet- oder spielsüchtigen Menschen werden nicht erhoben.
> Warum wurde das Positionspapier geschrieben?
In den letzten Jahren ist der Landeshaushalt des Gesundheitsministeriums im Bereich der Suchthilfe mehrmals gekürzt worden. Besonders betroffen hiervon war die Suchtselbsthilfe.
Hinzu kommt, dass durch die Kommunalisierung die Landesmittel für den Bereich der Suchthilfe seit 2007 direkt an die Kommunen überwiesen werden. Dadurch ist nicht mehr gewährleistet, dass die Träger der Suchthilfe Landesmittel wie bisher erhalten. Die Kriterien für deren Verteilung werden zurzeit erarbeitet.
Unser Positionspapier verdeutlicht konkret, welche Folgen weitere finanzielle Kürzungen für die Gesellschaft und für suchtgefährdete oder suchtkranke Menschen haben. Adressat unseres Positionspapiers sind damit auch Landespolitiker, mit denen wir in Kontakt sind. Die im letzten Jahr begonnenen Gespräche zur Aufstockung von Landesmitteln werden wir fortführen.
> Welche Folgen haben denn finanzielle Kürzungen im Bereich der Suchthilfe?
Es ist uns bewusst, dass Suchthilfe Geld kostet. Auf der anderen Seite fällt der Kostenaufwand für eine erfolgreiche Behandlung eines suchtkranken Menschen deutlich geringer aus als die Kosten für einen unbehandelten Suchtkranken. Allein der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkoholmissbrauch pro Jahr wird in NRW auf fünf Milliarden Euro und die Kosten in Folge von tabakbedingten Krankheiten auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen bedeutet eine weitere finanzielle Kürzung u.a. eine Reduzierung des Personals in den Suchtberatungsstellen, eine Reduzierung der Angebotspalette, größere Versorgungsgebiete, Wartezeiten für die Klientel und eine Zunahme der Zahl chronisch suchtkranker Menschen.
Im Bereich der Suchtselbsthilfe würde das heutige Angebot einer aktiven Lebenshilfe, die für jeden zugänglich und gut erreichbar ist, eingeschränkt. Aufsuchende und betreuende Maßnahmen in Krankenhäusern und Suchtfachkliniken müssten reduziert werden. Dies gilt auch für die Präventionsarbeit in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.
Es ist ehrenamtlich Tätigen nicht zumutbar, dass sie entstehende Kosten für ihre Arbeit aus eigener Tasche bezahlen.
Zu befürchten ist eine weitere Verelendung des Teiles der suchtgefährdeten und suchtkranken Menschen, die bereits jetzt zu den Benachteiligten in der Gesellschaft zählen.
Insgesamt ist die Schwächung eines qualifizierten und differenzierten Suchthilfesystems in NRW zu befürchten.
Das Positionspapier kann bestellt werden über die KLAGS-Geschäftsstelle:
Am Stadelhof 15, 33098 Paderborn
Tel.: 0 52 51 / 2 09-2 30, Fax: 0 52 51 / 2 09-2 02, E-mail: klags@caritas-paderborn.de
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Foto: Caritas Die Nachfolge von Volker Odenbach, als Caritasdirektor und Vorsitzender der KLAGS hat ab 2009 Josef Lüttig angetreten. |
Volker Odenbach war zum Zeitpunkt des Interviews Diözesan-Caritasdirektor des Erzbistums Paderborn und Vorsitzender der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Sucht (KLAGS) in NRW. Sie wurde 1978 gegründet, Mitgliedsverbände sind die Diözesan-Caritasverbände und der Kreuzbund in den Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn. Durch den Zusammenschluss wird die Suchtprävention und die Suchthilfe vor allem in den katholischen Gemeinden und Organisationen als gemeinsame Aufgabe aller gefördert. Die KLAGS bündelt und vertritt in NRW die Interessen von 80 Suchtberatungsstellen und 700 Kreuzbundgruppen.








