Soziale Berufe. Wir sehen uns.
Schon sehr frühzeitig hatte ich den Wunsch, später einmal Krankenschwester zu werden. Im Vordergrund
stand, anderen Menschen helfen zu wollen. Meine Ausbildung habe ich in einem konfessionellen Haus absolviert. Die damalige Zeit war geprägt durch einen hohen Personalmangel, dementsprechend schwierig waren auch die Rahmenbedingungen. Für mich war es immer wichtig trotz der damaligen Kategorisierung der Patienten/Patientinnen in 1. und 2. Klasse, dass alle Kranken gleich gut versorgt wurden. Das heißt, dass die Patienten, die multimorbide erkrankt waren, auch die beste Versorgung erhielten. Dieses war nur durch ein über das rechtliche Maß hinausgehendes Engagement des Pflegepersonals möglich. Lob und Anerkennung durch die Patienten/Patientinnen waren die Entschädigung. Trotz der hohen Belastung hat mir der Beruf sehr viel Freude gemacht.
Wichtig ist, die Menschen als Individuen zu sehen und sie mit ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen. Die Schwachen brauchen entsprechende Unterstützung und Hilfe, da sie keine Lobby haben. Gerade als Politikerin gilt es, für die sozial Schwachen und Benachteiligten zu sorgen.
In der heutigen Zeit, wo Kapital, Neoliberalismus, Wettbewerb und Konkurrenz bestimmend sind, benötigen wir Menschen, die einen sozialen Beruf ausüben und erlernen wollen. Meines Erachtens haben soziale Berufe nicht die gesellschaftliche Anerkennung, die ihnen gebührt. Neben der gesellschaftlichen Wertschätzung müsste der gesamte personelle Bereich aufgestockt werden. Da leider gesellschaftliche Anerkennung immer mit der tariflichen Vergütung verbunden ist, bedarf es auch einer wesentlich besseren Bezahlung für diese Berufe. Die mit vielen Berufen einhergehende Verantwortung ist allerdings kaum zu finanzieren. Alle, die heute einen sozialen Beruf ergreifen, haben meinen Respekt, und ich wünsche mir, dass es in sozialen Berufen keinen Nachwuchsmangel gibt.
Inge Howe, MdL, Mitglied in der Fraktion der SPD, gelernte Krankenschwester
Aus "Caritas in NRW", Ausgabe 1/2004









