SeniorExperten beraten

Schulleiter sollen vom Erfahrungswissen aus der Wirtschaft profitieren

„Ein Schulkollegium zu führen unterscheidet sich nicht wesentlich vom Führen einer Abteilung in einer Firma“, sagt Lutz Missbach. Der Ostwestfale berät seit einem Jahr zwei Grundschulleiterinnen in Espelkamp und Rhaden, zwei Orten nah Bad Oeynhausen, als sogenannter SeniorExperte.


Vermittelt wurde der SeniorExperte vom Projekt „Schulleitungscoaching durch SeniorExperten NRW“. Die Idee dahinter: Experten aus der Wirtschaft, die – ob noch im Beruf oder schon im Ruhestand – über viel Erfahrung verfügen, geben ihr Wissen an Schulleitungen weiter, die dieses derzeit dringend brauchen. Missbach zum Beispiel ist Personalleiter bei einem Ventiltechnik-Unternehmen, das selber 30 Jugendliche ausbildet und jedes Jahr zahlreiche Praktikanten in den Betrieb reinschnuppern lässt. „Wegen der Auszubildenden hat die Firma sowieso immer viel mit Schulen zu tun, deshalb hat es mich gereizt, einmal tiefer in den Schulalltag einzusteigen“, sagt Missbach.


Nordrhein-westfälische Schulen werden immer eigenverantwortlicher. Das führt dazu, dass die Schulleitung

 

Schulleiterin Ute Birkefeld profitiert vom Rat eines SeniorExperten.
Foto: Stiftung Partner für Schule

mehr Gestaltungsspielraum bekommt, aber eben auch mehr Verantwortung. Viele müssen sich erst an diese Rolle gewöhnen und freuen sich über Unterstützung. Wie beispielsweise Christiane Rebber und Annegret Lömker-Rarei, die sich von Missbach beraten lassen. Alle sechs Wochen trifft er sich mit den Schulchefinnen, um sie zu coachen.

Die Beratungen werden zwischen SeniorExperte und Schulleitung individuell vereinbart, ebenso die Dauer und der Umfang der Beratung. In den meisten Fällen finden die Treffen einmal pro Monat statt, einige SeniorExperten beraten auch mehrere Schulen. Als SeniorExperte ist jeder geeignet, der im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit in einer verantwortlichen Position war oder ist. Besonders hilfreich sind Personal- und Führungserfahrung. Denn diese Kompetenzen werden häufig von den Schulleitungen nachgefragt.

In den Beratungen werden vor allem klassische Managementthemen behandelt: Personalfragen, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Verwaltung, interne Kommunikation sowie Qualitäts-, Projekt- und Budgetmanagement. Missbach berät vor allem zum Thema Personalführung. „Verbindlichkeit herstellen, Mitarbeiter motivieren, Konflikte nicht zu sehr an sich rankommen lassen, diese Dinge besprechen wir intensiv“, sagt SeniorExperte Missbach.

Freiwilliges Engagement
Angeboten wird das Projekt von der Stiftung Partner für Schule NRW, gefördert wird es von der Stiftung Westfalen und der Stiftung Mercator. Das Projekt gibt es bereits im Ruhrgebiet, am Niederrhein, in Köln und in Ostwestfalen-Lippe. Partner vor Ort sind unter anderem die Bezirksregierungen, die Industrie- und Handwerkskammern, die Kreise sowie die zuständigen Schulämter.

„Schulleitungscoaching durch SeniorExperten NRW“ lebt von dem freiwilligen Engagement der Teilnehmer. Rund 350 Paare aus Schulleitung und Experte existieren zurzeit in Nordrhein-Westfalen. Die meisten SeniorExperten sind zwischen 60 und 75 Jahren alt, männlich und im Ruhestand. Das Projekt sucht weitere neue interessierte SeniorExperten im ganzen Land. Lutz Missbachs erste Partnerschaft ist ausgelaufen. Er freut sich aber schon auf eine neue Aufgabe: Eine Gesamtschule hat ihn angefragt. Die Schulleitung möchte mit seiner Hilfe ihr Image aufpolieren, damit sich zukünftig mehr Gymnasialschüler bei ihr anmelden.
Nina Braun

Kontakt:
Ariane Rademacher,
Stiftung Partner für Schule NRW,
Oststraße 86,
40210 Düsseldorf,
Tel. 0211/ 91312631,

E-Mail:
rademacher@partner-fuerschule.nrw.de,

www.seniorexperten.nrw.de

Aus "Caritas in NRW", Ausgabe 1/2010