Effizienzklasse „G“
Gebrauchte Elektro-Großgeräte sind oft große Stromfresser
Von Tobias Kleinebrahm
Die Abwrackprämie ist gekommen, der „Kühlschrank-Bonus“ ist aus der Diskussion. 150 Euro Zuschuss sollten einkommensschwache Haushalte beim Erwerb eines energieeffizienten Kühlschranks erhalten, so ein Vorschlag im letzten Herbst. Bislang sind gerade Hartz-IV-Haushalte häufig auf gebrauchte Geräte angewiesen. Und das sind meistens richtige Stromfresser.
Haushaltsgeräte haben immer Saison. „Jeden Tag bekomme ich zwei bis drei Anfragen von Menschen, die eine Waschmaschine, einen Herd oder Kühlschrank benötigen“, sagt Friedhelm Mundt, der bei der Caritas in Geldern den Gebrauchtmöbelmarkt leitet. Doch viele der Menschen, die in den Möbelmarkt kommen, weil sie sich einen neuen Herd oder eine Reparatur ihrer alten Waschmaschine nicht leisten können, muss Mundt auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten. „Wir bekommen einfach nicht so viele funktionstüchtige Geräte, wie wir benötigen würden“, sagt Mundt.
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Wer von alten Geräten auf neue weiße Ware mit der Energieeffizienzklasse A++ umsteigt, kann seinen Stromverbrauch um 75 Prozent oder 80 Euro im Jahr reduzieren. |
Die Auswirkungen der aktuellen Rechtslage sind mitunter kurios. „Eine Frau kam zu uns in die Sozialberatung, weil sie eine Reparatur ihrer Waschmaschine nicht bezahlen konnte“, erzählt Marianne Wolffram, Leiterin des Sozialpunktes der Caritas in Geldern. Glücklicherweise sprang die Pfarrcaritas ein und vermittelte der Frau eine gebrauchte Waschmaschine. Die Reparatur ihres im Vergleich moderneren Markengerätes wäre zu teuer geworden, hätte ihr wegen der besseren Energieeffizienzklasse langfristig jedoch Stromkosten gespart. Angesichts der hohen Energiekosten, die meist durch mehrere ältere Geräte erheblich das knappe Haushaltsbudget belasten, fällt das Sparen für die nächste Reparatur von Kühlschrank oder Backofen umso schwerer.
In der Sozial- und Schuldnerberatung der Caritas häufen sich gerade in der kalten Jahreszeit die Fälle, wo die Energiekosten Arbeitslosengeld-II-Empfängern arg zu schaffen machen. „Vor allem wenn bei der Jahresabrechnung Nachzahlungen anfallen, wird es für viele schon sehr eng“, weiß Marianne Wolffram. Zwar werden die Heizkosten für Arbeitslosengeld-II-Empfänger ganz oder zumindest teilweise von den Arbeitsagenturen und Optionskommunen übernommen, die Stromkosten jedoch schlagen voll auf den Regelsatz durch. Und der wiederum wurde bisher nicht an die gestiegenen Energiekosten angepasst. Die Folge: Bei vielen Menschen häufen sich die unbezahlten Stromrechnungen, bis eines Tages der Sperrkassierer vor der Tür steht und sich die Caritas um schnelle Abhilfe bemühen muss, damit zum Beispiel Familien mit kleinen Kindern nicht der Strom abgestellt wird. Eine Entwicklung, die durch viele Faktoren beeinflusst wird, die aber nicht selten auch durch einen defekten Herd oder eine defekte Waschmaschine erst richtig ins Rollen kam, für den oder die es keinen energieeffizienten Ersatz gab.
Tobias Kleinebrahm leitet die Stabsstelle Kommunikation beim Caritasverband Geldern-Kevelaer.
Aus "Caritas in NRW", Ausgabe 2/09








