Caritas in NRW

Medizinische Notlage

Malteser Migranten Medizin

Ein Kinderarzt der Malteser Migranten Medizin, der einen Säugling vor einem Behandlungstisch hochhältKinderarzt Dr. Wolfgang Wehner untersucht den sieben Monate alten Joshua aus Nigeria.Caritas

Da viele Patienten weder eine Praxis noch ein Krankenhaus aufsuchen wollen, helfen die Malteser unter Wahrung der Anonymität. Derzeit engagieren sich vier Ärzte in der Erwachsenensprechstunde, eine Hautärztin, vier Ärzte in der Kindersprechstunde, sechs Zahnärzte sowie ein Team von zwölf medizinischen Helferinnen in verschiedenen Funktionen.

Als die erste Malteser Migranten Medizin ihren Dienst in Berlin aufnahm, wuchs schnell der Gedanke, solch eine Einrichtung auch in der Erzdiözese Köln einzurichten. Diözesangeschäftsführer Martin Rösler setzte sich zusammen mit Angelika Haentjes-Börgers, der Malteser-Abteilungsleiterin Migration auf Bundesebene, für die Umsetzung in Köln ein. Im Jahr 2005 eröffneten die Malteser am Kölner Malteser Krankenhaus St. Hildegardis ihre Notfallpraxis für Menschen, die nicht krankenversichert sind und somit keine Möglichkeit haben, regulär ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen. Der damalige Erzbischof
Joachim Kardinal Meisner übernahm die Schirmherrschaft und segnete die Praxisräume mit den Worten: "Es war immer die Aufgabe der Kirche, sich der Notleidenden anzunehmen. Hier ist der konkrete Mensch, hier muss geholfen werden. Unabhängig vom politischen Hintergrund helfen die Malteser mit der Malteser Migranten Medizin jetzt. Dafür bin ich dankbar, und diese Arbeit unterstütze ich gerne."

Aufgrund des steigenden Patientenaufkommens und einer bestehenden Versorgungslücke bieten die Malteser seit Dezember 2008 eine weitere Sprechstunde speziell für Kinder an. Die MMM Köln war damit bundesweit die erste Anlaufstelle, die eine eigene Sprechstunde für nicht krankenversicherte Kinder durchführt. Im Vergleich zur Erwachsenensprechstunde überwiegen bei den Kindern eher leichte Erkrankungen, vor allem Infektionen der oberen Atemwege. Bei Erkrankungen, die in der Kindersprechstunde nicht ausreichend abgeklärt werden können, stehen in zunehmender Zahl noch spezialisierte Kinderärzte und medizinische Einrichtungen zur Verfügung, die Spezialuntersuchungen und, falls erforderlich, auch Behandlungen durchführen. Um zu vermeiden, dass Kinder ohne Krankenversicherung in ihrer Entwicklung benachteiligt werden, ist ein Schwerpunkt der Sprechstunde die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen, die Entwicklungs- und Reifestörungen aufdecken. Dazu gehören Ultraschalluntersuchungen von Hüftgelenken bei Säuglingen und Kleinkindern, um angeborene, aber behandelbare Fehlbildungen möglichst früh in der Entwicklung aufzudecken. Weiterhin werden Schutzimpfungen durchgeführt. Damit werden sogenannte Impflücken vermieden, die die Ausbreitung von Erkrankungen fördern.

Eine Zahnärztin der Malteser Migranten Medizin bei der Behandlung eines JungenZahnärztin Dr. Eleonore Höhler-Rokohl bei der Karies-Behandlung eines sechsjährigen Jungen aus Rumänien.Caritas

Die weiter steigenden Patientenzahlen machten im September 2012 den Umzug in größere Räumlichkeiten am Malteser Krankenhaus St. Hildegardis notwendig. Dadurch konnte die Kindersprechstunde auf einen weiteren Tag mit zwei neuen Kinderärzten ausgeweitet und das Angebot um eine zahnärztliche Sprechstunde erweitert werden. Bei den zahnärztlichen Behandlungen handelt es sich überwiegend um eine reine Schmerzbehandlung, wie Füllungen und Zahnentfernungen. Bei Kindern mit einem sehr kariösen Zahnstatus werden Behandlungen auch unter Narkose durchgeführt. Insgesamt auffällig ist der häufig schlechte Zahnzustand in jeder Altersgruppe. Daher wurde ergänzend eine spezielle Prophylaxe-Sprechstunde eingeführt. Ziel ist es, den Patienten die richtige Mundhygiene beizubringen.

Durch das ehrenamtliche Engagement der MMM Köln konnte in den letzten zehn Jahren über 13000 Menschen in medizinischen Notlagen geholfen werden. Die Sprechstunden stehen unter dem Leitbild des Malteser-Ritterordens: "Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen". Ziel ist, Menschen zu helfen, die im Kölner Raum leben und keine Krankenversicherung haben. Die MMM Köln finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Es gibt keine staatlichen Zuschüsse. Die Malteser stellen Räume und Infrastruktur sowie personelle Unterstützung zur Verfügung und das Ärzteteam um Dr. Herbert Breker arbeitet ehrenamtlich.



Ein Junge sitzt auf einer schwarzen Liege in einem Behandlungsraum. Ein Kinderarzt der Malteser Migranten Medizin hält die augestreckten Beine des Jungen.Kinderarzt Dr. Wolfgang Wehner untersucht einen sechsjährigen Jungen aus Rumänien.Caritas

Patientenbeispiele aus den Sprechstunden

Elena lernt das Laufen: Elena ist zwei Jahre alt. Eigenständig gelaufen ist sie noch nie. Das kleine Mädchen leidet an einer Fehlstellung ihres linken Fußes; sie hat einen Klumpfuß. Ihre Eltern "flüchteten" drei Jahre zuvor aus Bulgarien erst nach Griechenland und letztlich nach Deutschland, wo sie nun in Köln legal zugewandert leben. 2012 kam die kleine Familie in die MMM-Kindersprechstunde. Sie haben keinen Krankenversicherungsschutz, was sie an einer notwendigen Operation hindert. Aber nur der teure ärztliche Eingriff kann dem kleinen Mädchen ein unbeschwertes und mobiles Leben garantieren. Die notwendigen Finanzmittel (ca. 15.000 Euro) sind im Frühjahr 2013 durch einen Spendenaufruf der Malteser in der örtlichen Presse zusammengekommen. Elena wurde in einem Krankenhaus
operiert und befindet sich in einer Therapie, um das Laufen elementar zu erlernen. Sie ist auf einem sehr guten Weg!

Herr H. hatte extreme Schmerzen: Herr H. (40) kommt aus Albanien und ist nicht krankenversichert. Er stellte sich in der Sprechstunde wegen anhaltender Schmerzen im rechten Oberbauch vor. Bei der in der Sprechstunde durchgeführten Ultraschalluntersuchung stellte Dr. Herbert Breker eine stark vergrößerte und gestaute Gallenblase mit Stein fest. Der Patient wurde mit einer Dokumentation der Befunde notfallmäßig an das Krankenhaus in der Nähe seines Wohnortes verwiesen, wo am folgenden Tag eine operative Entfernung der Gallenblase erfolgte. Es bestand demnach eine lebensbedrohliche Situation. Hätte der Mann keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen, hätte er sterben können.

Frau M. will zurück in ein geregeltes Arbeitsleben: Frau M. kommt aus Deutschland und ist arbeitslos. Sie war bis zur Scheidung über ihren Mann krankenversichert. Die hohen Nachzahlungen an die Krankenversicherung kann sie sich nicht leisten und verliert den Versicherungsstatus. Aufgrund ihrer Krebsbehandlung hat sie ihre Schneidezähne verloren und fühlt sich entstellt. An Fotos für eine mögliche Bewerbung ist nicht zu denken. Sie kam in die MMM-Zahnarztsprechstunde von Dr. Markus Beckers. Dort konnte ihr eine neue Prothese eingesetzt werden. Jetzt bewirbt sich Frau M. erneut, um wieder in ein geregeltes Arbeitsleben zu finden.



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