URL: www.caritas-nrw.de/pressemitteilungen/20-jahre-feriendorf-fuer-tschernobylkinder/823902/
Stand: 31.03.2014

Pressemitteilung

20 Jahre Feriendorf für Tschernobylkinder

Das 20-jährige Bestehen feierte das vom Diözesan-Caritasverband Paderborn unterstützte Feriendorf Jablunitsa in den ukrainischen Karpaten. Mit dabei Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk Das 20-jährige Bestehen feierte das vom Diözesan-Caritasverband Paderborn unterstützte Feriendorf Jablunitsa in den ukrainischen Karpaten. Mit dabei Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk (5. von links, sitzend) und der Direktor der Einrichtung, Oleg Geleme (5. von rechts). (Foto: cpd / Pascale Vayer)

"Beim Betreten der Klinik trifft den westlichen Besucher der Schlag." Mit diesem Satz beginnt Mitte der 90-er Jahre ein Beitrag in der Zeitschrift "Caritas in NRW" über die Zustände in einer Kinderkrebsklinik in Kiew. Kein Kindergeschrei, kein Lachen, aber auch kein Weinen. Die jungen Patienten liegen apathisch in ihren Betten, Schläuche ragen aus Bäuchen und viel zu großen Köpfen. Viele leiden am Wasserkopf-Syndrom, die Ärzte müssen zum Teil mit selbstgefertigten Werkzeug die Schädeldecken durchbohren, um Drainagen zu schaffen. 

Die krebskranken Kinder von Kiew gehörten zu den Opfern der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Sie sollten der Anstoß für ein beispielloses Hilfsprojekt der Caritas werden: Vor genau 20 Jahren entstand in den ukrainischen Karpaten das Kinderferiendorf Jablunitsa. Jetzt wurde mit einem Festakt in der Einrichtung das Jubiläum gefeiert. Mit dabei eine Delegation aus dem Diözesan-Caritasverband Paderborn um Caritasdirektor Josef Lüttig und den stellvertretenden Vorsitzenden Ulrich Borchert. Auch der frühere Diözesan-Caritasdirektor Volker Odenbach nutzte die Gelegenheit, sich ein Bild vom heutigen Zustand der Anlage zu machen.    

Das Kinderferiendorf Jablunitsa liegt landschaftlich schön in den Karpaten. Mit im Bild Caritas-Spes-Mitarbeiterin Olena Noha. Das Kinderferiendorf Jablunitsa liegt landschaftlich schön in den Karpaten. Mit im Bild Caritas-Spes-Mitarbeiterin Olena Noha. (Foto: cpd / Pascale Vayer)

Rund eine Million D-Mark investierten damals die Diözesan-Caritasverbände Paderborn, Essen, Münster und Aachen in ein zunächst abenteuerlich anmutendes Projekt. Die charakteristischen Nurdach-Holzhäuser wurden aus dem benachbarten Rumänien geliefert. Die Kläranlage, eine der ersten in dieser Region, fertigte man aus Teilen ehemaliger SS-20-Raketen. Zuvor war allein sechs Jahre um das Grundstück inmitten des idyllischen Nationalparks verhandelt worden. Örtliche Wodka-Schwarzbrenner, die um ihre versteckte Lagerstätte fürchteten, aber auch die umliegenden Sanatorien sahen ihr Geschäft durch die Kinder-Kureinrichtung gefährdet.  

Feierten das Jubiläum in Jablunitsa (von links): der neue Caritas-Spes-Präsident der Ukraine,  Pfarrer Petro Zharkovskyj , Paderborns Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, Bischof Stanislaw SzyrokoraFeierten das Jubiläum in Jablunitsa (von links): der neue Caritas-Spes-Präsident der Ukraine, Pfarrer Petro Zharkovskyj , Paderborns Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk und der ehemalige Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Volker Odenbach.(Foto: cpd / Pascale Vayer)

Doch das Projekt hatte starke Fürsprecher. Überzeugend war von Anfang an das Konzept der ukrainischen Partnerorganisation "Die Wiege" um den Physiker Wassilij Bota: Statt nur wenige Kinder zu kostspieligen Erholungsaufenthalten ins Ausland zu schicken, kommen in einer großen Einrichtung Tausende in den Genuss einer lebenswichtigen Regeneration des angeschlagenen Immunsystems. Falls erforderlich auch mehrfach und in jährlichen Abständen. Gerade mal 12 Euro beträgt bis heute der Tagessatz für ein Kind in Jablunitsa.

Die Trägerschaft der Einrichtung übernahm 1996 die neu gegründete Caritas der römisch-katholischen Kirche. Für die junge Organisation um den engagierten Caritas-Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk bedeutete Jablunitsa die Initialzündung. Weitere Kinderferiendörfer entstanden, ebenso Dienste und Einrichtungen für arbeitslose Jugendliche, Senioren und seit zwei Jahren auch für Flüchtlinge aus der Ostukraine. 

Seit 20 Jahren stehen in Jablunitsa Kinder und Jugendliche mit geschwächtem Immunsystem sowie aus sozial schwachen Familien im Mittelpunkt.Seit 20 Jahren stehen in Jablunitsa Kinder und Jugendliche mit geschwächtem Immunsystem sowie aus sozial schwachen Familien im Mittelpunkt. (Foto: cpd / Pascale Vayer)

Seit 20 Jahren ruft der Diözesan-Caritasverband regelmäßig zu Spenden für Jablunitsa auf. Etwa eine Million Euro kamen bisher zusammen. Tausende Spender engagieren sich, u. a. auch die Mitarbeiter caritativer Einrichtungen im  Erzbistum, die auf die Rest-Cents ihres Monatsgehaltes verzichten. Vor zehn Jahren mussten die durch die strengen Karpaten-Winter marode gewordenen Holzhäuser durch Häuser mit Beton-Fundament ersetzt werden. Weitere Funktionsgebäude für Wohnen, Freizeit und Versorgung kamen hinzu.   

20 Jahre nach der Eröffnung haben inzwischen Tausende Kinder die Chance gehabt, im Feriendorf ihr geschwächtes Immunsystem zu regenerieren. Auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien kommen inzwischen nach Jablunitsa. Kirchengemeinden aus der gesamten Ukraine organisieren für sie entsprechende Ferienfreizeiten. Bischof Stanislaw, dessen Amtszeit als Caritas-Präsident Ende Mai endete, berichtet, wie ihn im ganzen Land immer wieder junge Erwachsene ansprechen und mit leuchtenden Augen erzählen, dass sie als Kind in Jablunitsa waren.           


Hinweis:
Spenden für das Kinderferiendorf Jablunitsa sind möglich auf das Konto des Diözesan-Caritasverbandes, IBAN DE54 4726 0307 0000 0043 00 (Stichwort: Jablunitsa).