Caritas in NRW – AKTUELL

Patientenrechte

Gesundheitsversorgung in der Diskussion

Fünf Männer und zwei Frauen sitzen einem Tisch zusammen und diskutieren. Im Hintergrund ist ein Roll-up der Caritas in NRW zu sehen.Diskursives Kopfzerbrechen: Moderiert von Prof. Dr. Andreas Wittrahm (Mitte), Bereichsleiter Facharbeit und Sozialpolitik beim Caritasverband für das Bistum Aachen, diskutierten Horst Schroten, Oliver Gondolatsch, Dirk Meyer, Klaus Schoch, Anneliese Florack (verdeckt) und Monika Hilsmann.Markus Lahrmann

Nichtgelingende Kommunikation und fehlende Orientierung seien ein zentrales Problem im Gesundheitsbereich, sagte Dirk Meyer, Patientenbeauftragter der Landesregierung NRW, bei der Diskussion im Haus der Diözesan-Caritas Essen. "Das beginnt mit den ersten zehn Schritten der Patienten in Ihre Häuser hinein", sagte Meyer zu den Vertretern der Krankenhäuser. Er begrüße es außerordentlich, mit den Akteuren, die den Alltag im Gesundheitssystem prägten, in den diskursiven Austausch zu kommen.

"Wir sind täglich im Krankenhaus und nehmen auf, wie die Patienten alles, was sie erleben, beurteilen", sagte Anneliese Florack, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Krankenhaushilfe. Die Grünen Damen (und Herren) erfüllen oft eine wichtige Aufgabe im Krankenhaus, für die Ärzten und Pflegenden zu wenig Zeit bleibt: Gesprächspartner zu sein. Und diese Rolle nehmen die Ehrenamtlichen - oft entsprechend weitergebildet -häufig auf Augenhöhe mit Ärzten und Pflegern ein.

Augenhöhe ist Haltungsfrage

Hubert Gerleve, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik im Verbund der Christopher-us-Kliniken Coesfeld, erläuterte, wie Augenhöhe bei den Kleinsten der Patienten geht: "Wenn ich mit Patienten spreche, gehe ich in die Knie", sagte er. Der Arzt als "Herrgott in Weiß" sei ein Bild aus vergangenen Zeiten. Es gehe also um Haltung. "Die Patienten wollen das Gefühl haben, dass sie gut beraten, behandelt und aufgenommen werden." Das bedeute: "Mehr Zeit!" und "Ernstnehmen!". "Wir Ärzte müssen uns ändern, nicht die Patienten", betonte Gerleve. Er sei dankbar für jede Beschwerde.

Viele Kliniken haben den Wert von konstruktiven Rückmeldungen erkannt und nutzen ein institutionalisiertes Beschwerdemanagement zur Qualitätsverbesserung. Einerseits, gestand Horst Schroten, Qualitäts- und Risikomanager im Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg, sei dies eine Erleichterung für die Kollegen, die Beschwerden abgeben könnten an jemanden, der sich professionell damit auseinandersetze. Andererseits könne er wiederum die gewonnenen Erkenntnisse und seine Position nutzen, um strukturelle Probleme in den Abteilungen anzugehen.

Rahmenbedingungen verbessern

Der mündige, aufgeklärte, allseits informierte Patient, der ausgiebig auf Augenhöhe mit Ärzten und Pflegepersonal diskutiert, bleibt ein in der Realität oft unerreichbares Idealziel. Monika Hilsmann, Pflegedirektorin im Marienkrankenhaus in Schwerte, verwies auf die Realität der Rahmenbedingungen: "Das sind tolle Forderungen, deren Umsetzung immer auch zu Lasten anderer Bereiche geht", sagte sie. Der Alltag in den Krankenhäusern sei geprägt durch Leistungsverdichtung, Personalabbau und eine Verkürzung der Verweildauer.

Und doch müssten sich die katholischen Krankenhäuser an ihren eigenen Werten messen lassen, forderte der Patientenbeauftragte Meyer. Die Caritas müsse sich auch selbst fragen, wie viel Geld sie zusätzlich in diesen Bereich fließen lasse, um ihre eigenen Ansprüche umzusetzen.

Darauf reagierte Klaus Schoch, Leiter der Abteilung Gesundheitshilfe beim Diözesan-Caritasverband Münster, allergisch. Jahrzehntelang hätten die katholischen Krankenhäuser eigenes Vermögen eingebracht. Für ihn sind die derzeitigen Rahmenbedingungen eher Anlass, zu überlegen, ob die Kirche sich im Gesundheitsbereich noch weiter engagieren könne oder ob man sagen müsse: "Wir steigen aus."

Modell "Patientenhochschule"

Dabei steigen die Anforderungen an die Krankenhäuser auch so schon sichtbar weiter an. Der Pflegekräftemangel schlägt durch. In manchen Bereichen fehlen auch gute Ärzte. Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede bei Patienten, aber auch bei Krankenhaus-Mitarbeitern führen zu Kommunikationsdefiziten. Überzogene Ansprüche von Patienten sind nicht erfüllbar. Hinzu kommen die steigenden juristischen Anforderungen aus Angst vor Haftungsklagen. Seitenlange Patientenaufklärungsbögen können den Patienten verunsichern. So wird Informiertheit vorgetäuscht, wächst die Bürokratie, sie nützt nicht mehr dem Patienten. Widersprüche, die aufzulösen in der Praxis oft schwierig ist.

Oliver Gondolatsch, Vorsitzender des Bundesverbandes der Patientenfürsprecher, verwies auf das gelungene Modell einer "Patientenhochschule" am Katholischen Klinikum in Essen. Dort können Teilnehmer sogar ein Zertifikat "Mündiger Patient" erwerben.



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