Caritas in NRW

Smartphone als Helfer

Mehr Zeit für die Pflege dank Voice-Mail

Zwei Männer und eine Frau stehen auf einem Parkplatz, die Frau hält ein Smartphone und einer der Männer ein Dokument in den HändenDas Smartphone wird als Dokumentationshelfer die Arbeit der Pflegekräfte des Caritasverbandes Witten erleichtern. Der Qualitätsbeauftragte Michael Lobbe (l.) und Verena Bonomo freuen sich über die Umstellung. Fachbereichsleiter Andreas Wanning zeigt den bereits vereinfachten Dokumentationsbogen, der noch per Hand hätte ausgefüllt werden müssen.Christian Lukas

Ein Manko der häuslichen Pflege", weiß Fachbereichsleiter Andreas Waning, "ist der Zeitaufwand, der für die Dokumentation einzuplanen ist. Statt sich während eines Besuches ganz auf die Bedürfnisse eines Patienten konzentrieren zu können, muss jede Pflegekraft aufwendig ein Pflegetagebuch führen." Wohlgemerkt: nach jedem Patientenbesuch. Da kommen jede Woche Dutzende von Formularen zusammen. Nicht nur viel Zeit für die persönliche Betreuung des Patienten geht auf diesem Weg verloren, ganz nebenbei wird dieser Aufwand den Pflegediensten kaum vergütet und wird in der sogenannten Anfahrtspauschale verrechnet. Die liegt bei 2,65 Euro pro Patienten. Jetzt endlich hat der Bund Handlungsbedarf erkannt. Und so wurde die Möglichkeit einer strukturierten Informationssammlung geschaffen, die den bürokratischen Aufwand verringern und vor allem die pflegefachliche Kompetenz der Pflegekräfte mehr in den Fokus rücken soll.

"Viele Patientendokumentationen, mit denen wir arbeiten mussten, waren seitenlange Ankreuzbögen", erzählt Verena Bonomo, Pflegefachkraft bei der Caritas. Statt in einem solchen Bogen den Ist-Zustand des jeweiligen Patienten zu dokumentieren, musste oft auch dokumentiert werden, was der Patient nicht hat; persönliche, auf Wissen und Erfahrung basierende Beobachtungen der Pflegerinnen und Pfleger indes spielten kaum eine Rolle. Der zu pflegende Mensch - ein Statistikfall.

In Witten nimmt man nicht nur die Möglichkeit der neuen, vereinfachten strukturierten Informationssammlung wahr, man hat sie einen Schritt weitergedacht. Für jeden Patienten liegt ein Erhebungsbogen vor, der sechs Themenfelder umfasst, die den Gesamtzustand erfassen. Das ist an sich bereits eine im Umfang, nicht aber in der Qualität komprimierte Dokumentation. Doch in Witten muss dieser Bogen nicht einmal mehr per Hand ausgefüllt werden. Die Pflegekraft diktiert ihre getane Arbeit und ihre Beobachtungen ins Smartphone, sendet die Sprachdatei via E-Mail an den Caritasverband und fährt zum nächsten Patienten.

Natürlich gibt es einen Haken: "Die Dokumentation muss schriftlich festgehalten werden", erklärt Michael Lobbe, der Qualitätsbeauftragte des Caritasverbandes Witten. Und so sitzt eine Bürokraft bei der Caritas und überträgt die Berichte - um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Die Pflegefachkraft muss diese gegenlesen und unterzeichnen. "Da der Einsatz von Voice-Mail gerade erst angelaufen ist, können wir noch nicht sagen, wie viel Zeit wir sparen", so Verena Bonomo, "aber die ersten Erfahrungen zeigen: Es ist erheblich." Die gesparte Zeit kommt den Patienten zugute.

Natürlich wird es etwas dauern, bis alle Pflegekräfte "zitierfähig" ihre Berichte sprechen können. "Klar ist das ein Lernprozess", sagt Verena Bonomo, daher wird das Papier auch nicht sofort aus den roten Wagen der Wittener Caritas verschwinden. Bis März 2019 soll Voice-Mail jedoch zur Regel werden.

Christian Lukas



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