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Ehrenamt

Wir tun es aus Überzeugung!

Caritas in NRW

Türöffner für Gespräche

„Ich koche mit dir“

Eine Caritas-Ehrenamtliche steht in einer Küche und rührt in einem Topf. Dabei lächelt sie in die Kamera.Kocht leidenschaftlich gerne: Dorothée Schulte, Caritas-Ehrenamtliche aus Warstein-Allagen, teilt ihre Kochkunst mit Bedürftigen.Susanne Mester

"Möchten Sie mal probieren?" Die kleinen Köstlichkeiten wie bunte Gemüse-Sticks, hausgemachter Stuten oder Knäckebrot mit Dip sehen verführerisch aus. Mancher Kunde bleibt denn auch vor dem Tablett von Dorothée Schulte stehen und greift zu. Die gelernte Wirtschafterin bietet ihren Service jedoch in keinem Supermarkt an. Ort der ungewöhnlichen "Probieraktion" ist die Tafel des Caritasverbandes für den Kreis Soest in Lippstadt, die monatlich weit über 1000 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Eigentlich, so Dorothée Schulte, die sich ehrenamtlich als Regionalleiterin der Caritas-Konferenzen im Bereich Warstein­Rüthen engagiert, ist diese Aktion auch eher der Türöffner, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Am Ende kann dann die Frage stehen: "Haben Sie Lust, mit mir zu kochen?"

Viel Fingerspitzengefühl nötig

Dorothée Schulte gibt schon seit längerer Zeit Kochkurse in Pfarrheimen, Kitas oder Schulen, zum Beispiel auch für Flüchtlinge und Zuwanderer. Ihr neuestes Projekt ist aber ein Angebot, das sich an Einzelpersonen richtet: Von der minderjährigen Alleinerziehenden bis zur vereinsamten Seniorin - mit einigen Personen hat Frau Schulte bereits gekocht, selbstverständlich bei den Menschen daheim. "Man braucht dabei viel Fingerspitzengefühl", berichtet sie. Denn es gehe bei diesem Angebot nicht in erster Linie um Tipps fürs preiswerte und gesunde Kochen. Besserwisserei oder der "erhobene Zeigefinger" seien absolut kontraproduktiv. Schulte: "Ich möchte den Menschen einfach ein schönes Erlebnis bieten."

Gemütlichkeit und Tischkultur

Gerne geht Frau Schulte auf die persönlichen Wünsche ein; die Caritas-Konferenz bezuschusst dazu Lebensmittel, die sich die Betroffenen sonst nicht leisten würden. "Die Menschen, die immer von dem leben müssen, was bei den Tafeln übrig bleibt, freuen sich, wenn sie sich ein Essen wünschen dürfen." In einer Atmosphäre, in der Wert auf Gemütlichkeit und Tischkultur gelegt werde, lerne man sich kennen. "Beim Kochen und Essen entsteht von ganz allein eine angenehme Atmosphäre, in der viele persönliche Dinge der Menschen zur Sprache kommen." Vereinsamung etwa oder auch Probleme in der Ehe. Für Dorothée Schulte ist dieses "Eins-zu-eins-Kochen" ein idealer Türöffner, um von den Notlagen der Menschen zu erfahren. Einziger Wermutstropfen: Das Angebot ist zeitaufwendig. Ihr Tipp daher für Nachahmer: "Man muss es als Projekt anlegen mit klaren Zielen und zeitlichen Grenzen."