Caritas in NRW

Argumentationstraining

Mit einer Kneipentour gegen Stammtischparolen

Zwei weibliche Gäste sowie das Schauspielerduo Karin Kettling und Jürgen Albrecht befinden sich bei der Caritas-Veranstaltung in der Kneipe 'Rosi' in Gelsenkirchen in der GesprächssituationWollen Mut machen, für Menschlichkeit einzutreten: das Schauspielerduo Karin Kettling (r.) und Jürgen Albrecht im Gespräch mit Kneipengästen im „Rosi“Achim Pohl

Als ich vor ein paar Jahren meinen Job im Ensemble des Oberhausener Theaters verloren habe, hat kein Hahn danach gekräht. Wir müssen sparen, hieß es. Heute ist auf einmal wieder Geld da, auch für Kunst und für sogenannte Künstler. Nur mit Migrationshintergrund müssen sie sein." So beginnt das Selbstgespräch der Schauspielerin Karin Kettling, das dann in ausländerfeindlichen Sprüchen gipfelt, bis … Ja, bis endlich ihr ­Kollege Jürgen Albrecht, ebenfalls Schauspieler, den geradezu körperlich schmerzenden Monolog beendet und in die betretene Stimmung in die Runde fragt: "Na, wie hat sich das angefühlt?" Schauplatz des Geschehens war die Kneipe "Rosi" in der Gelsenkirchener Innenstadt.

Das Schauspielerduo ZUVIELCOURAGE zeigte den etwa 50 Gästen des Abends einige Strategien, um auf Situationen wie diese zu reagieren: stören, auf dem Handy möglichst laut den Lieblingssong abspielen, dazwischenrufen. Der Abend bot noch einiges an provozierenden Momenten, und das war auch Absicht. Denn bei "Rosi" war der Auftakt einer Kneipentour für Toleranz durch fünf Ruhrgebietskneipen als Teil des Caritas-Projektes "Sach wat! Tacheles für Toleranz". Die beiden Schauspieler entlarvten im gespielten Streitgespräch Argumentations- und Verhaltensmuster und zeigte Gegenstrategien auf, etwa zu fragen: "Hast du das schon mal erlebt?" oder "Wie kommst du darauf, dass alle so sind?". Das Duo empfiehlt, in solchen Situationen Verbündete zu suchen, die Gesprächsführung zu übernehmen oder positive Gegenbeispiele zu bringen.

Viele Möglichkeiten, schlagfertig zu reagieren

"Wir wollen Menschen für Vorurteile sensibilisieren und sie schulen, sachlich, rhetorisch geschickt und entschieden darauf zu reagieren. Und wir wollen Mut machen, für Toleranz und Menschlichkeit im Alltag einzutreten", erklärt Dara Franjic, Referentin für Migration und Flüchtlinge bei der Caritas im Ruhrbistum, die das Projekt mitentwickelt hat. Kneipengast Uwe Pöschke (49) fand vor allem interessant, zu sehen, wie viele Reaktionsmöglichkeiten es gibt. "Das könnte mir in der nächsten Situation helfen, schlagkräftiger zu reagieren."

"Sach wat! Tacheles für Toleranz" ist ein Zivilcourage-Projekt der Caritas im Bistum Essen. Neben den fünf Kneipenabenden bietet es eine Reihe von Argumentationstrainings gegen Vorurteile und Workshops für junge Menschen zum Umgang mit Hasskommentaren in sozialen Medien. Die Projektaktivitäten werden aus dem Programm "KOMM-AN NRW" der Landesregierung NRW gefördert.

Dara Franjic

dara.franjic@caritas-essen.de
Telefon: 0201/810 28-712
www.caritas.ruhr/sachwat

Weitere Veranstaltungen: Bochum (27.01.), Essen, Gladbeck und Schwelm



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