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Reportage

Quartiersarbeit

Altern im hippen Ehrenfeld

Michaela Pfaff und Anne Kuhlmann stehen vor einer besprayten Mauer in Köln-EhrenfeldProjektleiterin Michaela Pfaff und Ehrenamtliche Anne KuhlmannJulia Hitschfeld/Caritas

Sie möchte nie wieder in ein anderes Stadtviertel ziehen. Das "bunte, hippe und junge Ehrenfeld" ist ihr "Veedel", ihr Quartier und ihr Zuhause. Seit 1999 lebt Anne Kuhlmann in Ehrenfeld und nimmt sehr aktiv am Quartiersleben teil. "Ich habe etwas gesucht, bei dem ich mich in der Nachbarschaft ehrenamtlich engagieren kann", so die 63-Jährige.

Über die Nachbarschaftsinitiative "Kölsch Hätz" wurde ihr eine alte Dame vermittelt. Diese betreut die gebürtige Mönchengladbacherin bereits seit dreieinhalb Jahren zwei bis vier Stunden in der Woche. "Ich bekomme ganz viel zurück. So entsteht eine wertvolle Vertrauensebene. Die Dame wohnt schon immer in Köln und bringt mir sogar Kölsch bei." Wenn sie nicht zusammen Kölsch lernen, geht sie mit der 79-jährigen Seniorin spazieren, oder sie spielen Rommé.

Laut Caritasverband für die Stadt Köln ­leben 30 Prozent der Senioren in Ehrenfeld ­isoliert. Das "Veedel" wird ihnen zunehmend fremder und die Gesellschaft immer schnelllebiger, so dass sich viele Senioren zurückziehen. Dass es im jungen Ehrenfeld auch viele Angebote und Möglichkeiten für Senioren gibt, aktiv am Quartiersleben teilzunehmen, ist den meisten von ihnen nicht bekannt.

Michaela Pfaff und Anne Kuhlmann stehen vor dem Eingang des Literaturcafés Goldmund in Köln-EhrenfeldDas Literaturcafé Goldmund soll zukünftig zur Begegnungsstätte von Ehrenamtlichen und Senioren werden.Julia Hitschfeld/Caritas

Um diese Menschen wieder zurück ins Leben, in ihr "Veedel", zu holen, startete der Kölner Caritasverband Ende 2015 das Modellprojekt "Seniorenfreundliche Quartiere" in Ehrenfeld. "Ziel ist es, ein gutes Netzwerk aufzubauen, um langfristig Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Überdies sollen Hilfsangebote und Aktivitäten in der direkten Wohnumgebung der Senioren bekannt und zugänglich gemacht werden", erläutert Michaela Pfaff, die das Projekt seit April 2017 leitet. "Jetzt ist es meine Aufgabe, mit Apothekern, Verkäufern oder traditionellen Vereinen zu sprechen, um sie für die Belange von Senioren zu sensibilisieren. Ich frage zum Beispiel die Menschen, ob ihnen Senioren auffallen, die Hilfe benötigen oder vielleicht einsam sind."

Ehrenamtliche wie Anne Kuhlmann kümmern sich genau um diese Senioren. Sie werden in Schulungen zu sogenannten Quartierslotsen und Veedels-Begleitern ausgebildet. Dabei lernen die Quartierslotsen, welche Angebote es für Senioren in Ehrenfeld und Neuehrenfeld gibt, die sie dann an die Veedels-Begleiter weitergeben.

Das Projekt läuft bis Ende 2018 und wird durch Stiftungsmittel finanziert. An der Projektplanung waren auch acht Ehrenamtliche beteiligt. Dabei erkundeten die Ehrenamtlichen verschiedene Wohngegenden in Ehrenfeld und informierten sich über die Angebote für Senioren.

Auch Anne Kuhlmann war maßgeblich an der Projektplanung beteiligt: "Ich bin Rentnerin und engagiere mich bei diesem Projekt, weil ich auch an meine eigene Zukunft denke. So weiß ich, an wen ich mich wenden kann und was es für Möglichkeiten gibt, wenn ich später in einer ähnlichen Situation bin."

Julia Hitschfeld

Michaela Pfaff
Seniorenfreundliche Quartiere, Caritasverband Köln

Telefon: 0221/569578-0
E-Mail: michaela.pfaff@caritas-koeln.de



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