Caritas Kampagne 2007
"Mach Dich stark für starke Kinder"
Caritas startet eine Initiative für benachteiligte junge Menschen
Berlin. 31. Januar 2007. "Die Caritas will dazu beitragen, dass benachteiligte Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, ihr künftiges Leben selbst bestimmt und in Verantwortung für sich und andere führen zu können." Mit diesen Worten stellte Caritas-Präsident Peter Neher das zentrale Anliegen der diesjährigen Kampagne "Mach dich stark für starke Kinder. Eine Initiative für benachteiligte junge Menschen." heute in Berlin vor.
Bereits der zweite Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2005 habe deutlich gemacht, wie stark der Zusammenhang zwischen geringer Bildung und geringem Einkommen und der damit oftmals verbundenen Arbeitslosigkeit und Armut ist. Die Auswirkungen zeigten sich gravierend in den Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien. Besonders deutlich werde dies im Bereich von Schule und Ausbildung. Wenn in jedem Jahr neun Prozent der deutschen bzw. 19 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss verließen, sei dies alarmierend.
"Keine Gesellschaft kann es sich leisten 'ihre' Kinder zu vernachlässigen. In ihnen zeigt sich die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft." so Peter Neher. Die erschreckend hohe Zahl von rund 1,9 Mio. Kindern und Jugendlichen, die in armen Familien aufwachsen, habe den Verband veranlasst, eine Befähigungsinitiative für benachteiligte junge Menschen ins Leben zu rufen. Die aktuelle Kampagne sei ein Teil dieser Initiative und wolle deutlich machen, dass sich die Caritas auch selbst in die Pflicht nehme. "Eine große Stärke der Caritas zeigt sich darin, dass sie vielfältig aktiv ist. Diese Aktivitäten im Interesse benachteiligter Kinder und Jugendlicher zu vernetzen und auszubauen, ist ein zentrales Anliegen dieser Initiative." Der Caritas-Präsident dankte der Düsseldorfer Agentur BBDO, die erneut bereit war, diese Kampagne unentgeltlich zu entwickeln und der GlücksSpirale, welche die Umsetzung finanziell unterstützt hat.
Das Statement des Präsidenten unter: http://www.caritas.de/2340.asp
Thomas Broch:
Mach dich stark für starke Kinder
Die Caritas will mit der Befähigung junger Menschen einen Dienst an ihrer Menschenwürde leisten
Der Name der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln ist zu einem Symbol geworden. Hilflose und überforderte Lehrer dieser Schule, in der die Kinder und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund einen Anteil von 80 Prozent ausmachen, hatten im Frühjahr 2006 einen öffentlichen Hilferuf an den zuständigen Senator gerichtet, weil die Respektlosigkeit, der Motivationsmangel, die Gewaltbereitschaft ihrer Schülerinnen und Schüler ein Ausmaß erreicht hatte, dem sie sich nicht mehr gewachsen sahen.
Weit über den konkreten Anlass und über die Grenzen Berlins hinaus weist
dieses Alarmsignal aber auf ein erschreckendes Phänomen unserer Gesellschaft hin.
Man nimmt es nicht wahr, wenn man darin nur ein Symptom misslungener Ausländerintegration sieht und dieser mit polizeilichen oder ausländerrechtlichen Maßnahmen zu begegnen versucht. Gewiss: die jungen Araber und Türken im Neukölln sind die verlorenen Kinder einer verlorenen Elterngeneration – heimatlos und entwurzelt bei uns. Aber das Problem reicht viel weiter. Eine große Zahl dieser Kinder und Jugendlichen kommt aus Milieus an den sozialen Rändern – und dies betrifft Einheimische ebenso wie Familien mit Migrationshintergrund -, die ihre Möglichkeiten von Anfang an minimieren. Sie sehen einer Zukunft in einer Gesellschaft entgegen, die ihnen kaum Chancen bereit hält, die sie oft nur als lästige Probleme und nicht als Zukunftspotenzial sieht, in das zu investieren sich lohnt, und die sie bisweilen am liebsten los wäre.
Vielfältige Ursachen
Es wäre zu einfach, die Probleme an den Schulen, an den Hauptschulen zumal, auf einige wenige Ursachen zu reduzieren. Aber – ohne hier eine zwingende Kausalität behaupten zu wollen – es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn eine erschreckend hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit ihren Familien auf Sozialhilfeniveau lebt – ob die Zahl nach Angaben des Kinderschutzbundes bei 2,2 Millionen oder nach anderen Berechnungen "nur" bei 1,7 Millionen liegt, ändert wenig an der Dramatik. 15 Prozent eines Jahrgangs haben keinen Ausbildungsabschluss (bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt der Anteil bei 33 Prozent), neun Prozent (19 Prozent) gehen gar ohne Abschluss von der Schule; und über 15 Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos – dies sind weitere Alarmsignale.1 Eine langjährige einseitige Orientierung der Schul- und Bildungspolitik an der Begabtenförderung mag dabei mitspielen, auch strukturelle Probleme wie zu geringe Lehrerzahlen und zu starke Klassengrößen. Die PISA-Studien aben deutlich gemacht, dass das Schulsystem in Deutschland gerade für Kinder und Jugendliche nicht integrierend, sondern desintegrierend wirkt – für junge Menschen aus Migrantenfamilien zumal. Sicher muss man – in jedem einzelnen Fall –
auch persönliche und familiäre Belastungen der jungen Menschen sehen. Und man tut ihnen Unrecht, sie pauschal zu inkriminieren. Mit Recht wehren sie sich dagegen. Und der Voyerismus mancher Medien trägt auch nicht zu einer Lösung der Probleme
bei.2
Den gesamten Text finden Sie hier als pdf-Dokument zum Download











