Alle(s) inklusive ...

Gespräch mit dem NRW-Behindertenbeauftragten Killewald

„Alle(s) inklusive …“ – das hört sich an wie ein Rundum-sorglos-Paket, wie es bei Pauschalreisen versprochen wird. „Tatsächlich geht es um ein gerechtes und gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung!“, sagte Andreas Wittrahm vom Caritasverband für das Bistum Aachen. Anlass: das Fachgespräch mit dem NRW-Behindertenbeauftragten Norbert Killewald anlässlich der Jahreskampagne 2011 „Kein Mensch ist perfekt“.

Erstmals führte der Caritasverband eine „inklusiveVeranstaltung“ durch: Menschen mit und ohne
Inklusive Veranstaltung: Dr. Andreas Wittrahm (DiCV Aachen), Manuel Kimazowa, Angela Bätz, Stephan Haffner, Marco Bausen, Norbert Killewald (Landesbehindertenbeauftragter), Bettina Offergeld (DiCV Aachen) (v. l.) / Foto: Elisabeth Kremer-Kerschgens

Inklusive Veranstaltung: Dr. Andreas Wittrahm (DiCV Aachen), Manuel Kimazowa, Angela Bätz, Stephan Haffner, Marco Bausen, Norbert Killewald (Landesbehindertenbeauftragter), Bettina Offergeld (DiCV Aachen) (v. l.)

Foto: Elisabeth Kremer-Kerschgens

Behinderung waren von vornherein in Planung und inhaltliche Gestaltung einbezogen. Zu den Themen„Barrierefreiheit“, „Arbeit und Beschäftigung“, „Wohnen“ und „Mitbestimmung in Politik und Gruppen“ wurde diskutiert. Dabei beschrieben die Menschen mit Behinderung Killewald positive und negative Beispiele und äußerten ihre Wünsche an das Land NRW. „An Bushaltestellen gibt es riesengroß geschriebene Werbung, aber nur winzige Fahrpläne, die für viele Menschen nicht lesbar sind“, beklagte Manuel Kimazowa. Vor allem im öffentlichen Personennahverkehr gibt es noch erhebliche Mängel bezüglich der Barrierefreiheit. Dann
wurden Forderungen nach mehr Ausbildungsplätzen und mehr Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt laut. Es sei ein Skandal, dass es für Betriebe immer noch billiger sei, sich mit einer Ausgleichsabgabe freizukaufen, als Menschen mit Behinderung einzustellen.

Menschen mit Behinderung berichteten von ihrer Sorge, dass nicht ihr Wunsch, sondern allein die Kosten ausschlaggebend für die Entscheidung sind, ob sie ambulant oder stationär wohnen „dürfen“. Zum Teil wohnen Menschen mit Behinderung in Doppelzimmern. Karen Pilatzki, Vorsitzende der AG Eingliederungshilfe, stellte in diesem Zusammenhang auch die überwiegend auf stationäres Wohnen bezogenen Regelungen des Wohn- und Teilhabegesetzes in Frage. Beim Ziel Mitbestimmung in Gruppen und Politik wurde deutlich, dass es für behinderte Menschen nicht einfach ist, sich in Parteien zu engagieren. So gibt es auf kommunaler Ebene leider kaum Informationen in einfacher Sprache. Dass das Sprechen in einfacher Sprache gar nicht so einfach ist, wurde auch in der Veranstaltung deutlich: Immer mal wieder gingen Stoppschilder hoch mit der Aufforderung, den Sachverhalt einfacher zu erklären.


 Aus "Caritas in NRW - AKTUELL", Ausgabe 6, Dezember 2011