Wachsende Armut führt zu Boom bei Tafeln und Kleiderläden

Caritas in NRW kritisiert soziale Schieflage und fordert Verteilungsgerechtigkeit

Krefeld, 23.01.2008 - Den Rückzug des Staates aus seiner sozialen Fürsorge- und Vorsorgeverantwortung hat die Caritas in NRW kritisiert. Wegen wachsender Armut "boomen die existenzsichernden Hilfen", sagte der Aachener Diözesan-Caritasdirektor Burkard Schröders auf einer Fachtagung des Wohlfahrtsverbandes in Krefeld. Allein die Caritas betreibe in NRW 250 Kleiderläden und rund 150 Warenkörbe und Tafeln. Das sei ein Spiegel der "krassen Schieflage" in der Gesellschaft und lasse den Ruf nach Verteilungsgerechtigkeit immer lauter werden. Zeitgleich setze der Staat zunehmend auf Almosen und solidarisches Engagement von Bürgern, kritisierte Schröders.

Höchste Anerkennung verdiene das ehrenamtliche Engagement von Menschen für ihre Mitbürger in existenzgefährdeten Lebenssituationen. "Nach jahrelanger Diskussion über die schwindende Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement ist es für die meisten Tafeln oder Caritas-Läden kein Problem, freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden," sagte Schröders. Dieser zusätzliche Benefit für das Gemeinwesen dürfe aber nicht zum Ersatz für sozialrechtlich geregelte gesellschaftliche Leistungen werden", betonte der Caritas-Direktor. Im Ringen um Antworten für den richtigen Weg bleibe es Ziel aller Caritasarbeit, Menschen, insbesondere Benachteiligte und Schwache, vor Ausnutzung, Ausgrenzung und Vereinnahmung zu schützen.

v.l.n.r Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders (Aachen), Prof. Dr.
Stephan Rixen (Uni Kassel) und Diözesancaritasdirektor Dr. Frank
Johannes Hensel (Köln)

< Lesen Sie zu diesem Thema auch die Meldung "Boom bei Kleiderläden und Tafeln" >