Probleme auf den Punkt gebracht

Online-Beratung für Suchtkranke

Es ist heikel, über Probleme zu sprechen. Ganz besonders über Suchtprobleme. Häufig bringt erst eine Eskalation der Situation die Betroffenen dazu, sich an entsprechende Hilfseinrichtung zu wenden. Hier setzt die Online-Suchtberatung der Caritas an. Die Hilfesuchenden finden schnell und unbürokratisch Rat, weil die Hemmschwelle niedriger liegt als beim Besuch einer Beratungsstelle.


Ein weiteres Ziel ist es, mit der Beratung besonders junge Menschen zu erreichen, die Suchtprobleme oder

„Komasaufen“ ist häufiges Thema bei der Online-Beratung.
Foto: Robert Boecker

einen riskanten Konsum haben. Darüber hinaus dient eine Internet-Seite im Rahmen der Online-Beratung beim Diözesan-Caritasverband Köln dem allgemeinen Informationsbedürfnis und beschäftigt sich mit klassischen Süchten (Alkohol/Drogen).

Alle Ratsuchenden können in einem geschützten Bereich Kontakt zu einer Beraterin oder einem Berater aufnehmen. Technisch läuft es so, dass über einen Postleitzahlenfilter die Anfrage automatisch zur nächsten Beratungsstelle weitergeleitet wird. Eine Antwort gibt es dann garantiert innerhalb von 48 Stunden an Arbeitstagen. Großer Wert wird dabei auf die Sicherheit des Systems gelegt. Die Übermittlung aller Daten auf den Server erfolgt verschlüsselt. Auch bei der Bearbeitung in den Beratungsstellen wird sichergestellt, dass kein Dritter Zugriff auf die Anfragen und Antworten hat.

Regelmäßiger Austausch über Erfahrungen, Entwicklungen und Perspektiven ist Teil der Arbeit der Online-Suchtberater. Denn neben vielen Gemeinsamkeiten, die die Beratung am Computer mit der konventionellen Beratung hat, zeigen sich doch auch gravierende Unterschiede.

Ratsuchende tasten sich heran
Es fällt auf, dass die Online-Beratung häufig zu Informationszwecken genutzt wird, sozusagen um sich an ein heikles Thema heranzutasten und die Schwere der Problematik einzuschätzen. Steigend ist zudem die Zahl der Rat suchenden Frauen.

Ein Drittel der Anfragen erreicht die Caritas an Wochenenden, zwei Drittel vor oder nach den normalen Öffnungszeiten (8 bis 17 Uhr). Dass sich die Online-Beratung gut eignet, um im Vorfeld von schweren Suchterkrankungen Hilfe zu leisten, zeigt sich auch mit Blick auf die Zunahme von Anfragen junger Menschen. Ein besonderes Thema ist dabei Früh-Alkohol-Abhängigkeit, sprich „Komasaufen“. Hier erweisen sich Präventionsveranstaltungen mit Hinweisen auf die Mail-Beratung als besonders wirkungsvoll.

Die Online-Beratung wurde vom Diözesan-Caritasverband Köln konzipiert und entwickelt und arbeitet inzwischen in ganz NRW und demnächst sogar bundesweit fast flächendeckend. Sie ist ein gutes ergänzendes Medium, um Kontakt mit Betroffenen, gerade den sogenannten riskant Konsumierenden oder anderen Usern, die die traditionellen Beratungswege nicht nutzen, aufzunehmen. Insbesondere junge Menschen lassen sich gut durch diese Beratungsform ansprechen, und Rat suchende Angehörige finden hier Antworten auf ihre Fragen. Die Online-Beratung kann keine Therapie ersetzen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Online-Beratung nicht immer und sofort zu einem messbaren Ergebnis führt in der Form, dass der Ratsuchende eine Beratungsstelle aufsucht. Aber bei dieser Argumentation wird außer Acht gelassen, dass der Ausstieg aus einer Suchterkrankung ein längerfristiger Prozess ist. So belegen auch Protokolle von scheinbar nicht erfolgreichen Online-Beratungen, weil die Klienten zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgestiegen sind, dass die Auseinandersetzung während der Beratungszeit, das Auf-den-Punkt-Bringen von Gedanken, Umständen und Problemen, den Heilungsprozess fördert und Voraussetzungen schafft, um zu einem bestimmten Zeitpunkt von der virtuellen auf eine reelle Beratungsebene zu wechseln.
Georg Seegers/dg

www.beratung-caritasnet.de

Aus "Caritas in NRW", Ausgabe 4/2008